Kicker: Michael Zeyers Fernziel: 2. Liga

Stuttg. Kickers: Neuer Sportkoordinator

Drei neue Spieler haben die Kickers bisher für die kommende Saison geholt. Doch der prominenteste Zugang steht nicht (mehr) auf dem Rasen. Der frühere Bundesligaprofi Michael Zeyer soll als Sportkoordinator künftig mithelfen, die Stuttgarter strukturell weiterzuentwickeln und damit zu professionalisieren.

„Die Kickers sind ein Verein, bei dem man Aufbauarbeit leisten kann“, sagt der 42-Jährige und wird konkreter: „Wenn sich ein Klub jedes Jahr weiterentwickelt, passiert es zwangsläufig, dass er bald eine Spielklasse hochgeht. Oder zwei.“ Also: Fernziel 2. Liga.

Dazu will der Betriebswirt vor allem das Scouting verbessern und mithilfe einer neu einzurichtenden Datenbank personenunabhängiger machen. Zudem soll er den Nachwuchs voranbringen, das heißt A- und B-Jugend sollen bald wieder in der Bundesliga spielen.

Finanziert wird Zeyers Arbeit von dem Investor, der im Februar eingestiegen ist. Der frühere Mittelfeldspieler arbeitet auf Teilzeit- und Honorarbasis, ist also nicht Angestellter des Vereins. Mit Trainer Dirk Schuster wird Zeyer künftig in der Kaderplanung, ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld, eng zusammenarbeiten. „Wir haben bei Spielern in vielen Dingen die gleiche Meinung“, erklärt Zeyer. „Es wird sehr selten vorkommen, dass der eine einen Spieler will, aber der andere einen anderen.“

Matthias Jung

Kicker

Stuttgarter Kickers erhalten Lizenz für die Regionalliga Saison 2010/2011

Die Stuttgarter Kickers erhalten auch für die kommende Spielzeit die Lizenz für die Regionalliga Süd. Alle Bedingungen, die der DFB gestellt hatte, wurden vollumfänglich bis vergangenen Freitag erfüllt. Für die neue Saison erhält der Verein vom Deutschen Fußball-Bund deutlich weniger Auflagen als noch in den vergangenen Jahren.

„Daran sieht man, dass der eingeschlagene Weg der finanziellen Konsolidierung der richtige war“, betont Präsident Edgar Kurz und ergänzt, „dass dies überhaupt in dieser Form möglich war und ist, liegt an der hervorragenden Unterstützung durch unsere Partner, Sponsoren, Gönnern und Fans, die uns auch in dieser schwierigen Zeit beiseite standen und stehen und weiter an die starke Marke Stuttgarter Kickers glauben. Ein zusätzliches Dankeschön geht auch an meinen Präsidiumskollegen Friedrich Kummer und den Vorsitzenden des Aufsichtsrates Prof. Dr. Rainer Lorz sowie an den von der Geschäftsstelle für die Lizenzierung zuständigen Kai Uwe Völschow, die hierbei ausgezeichnete Arbeit geleistet haben.“

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Presse zum neuen Sportkoordinator Michael Zeyer

Zeyer wird Koordinator bei den Kickers
Regionalliga Die Clubs forcieren die Strukturreform. Waldhof erhält keine Lizenz. Von Joachim Klumpp

Michael Zeyer ist gestern 42 Jahre alt geworden – und als Geburtstagsgeschenk gab es auch einen Vertrag bei den Stuttgarter Kickers als neuer Koordinator Sport. In dieser Funktion soll der ehemalige Profi (unter anderem SC Freiburg) zusammen mit dem Cheftrainer Dirk Schuster künftig den operativen sportlichen Bereich des Clubs weiterentwickeln. Wobei Schuster dies nicht als Einmischung ins sein Arbeitsgebiet betrachtet. „Ich sehe das als unterstützende Maßnahme“, sagt der Trainer, „ich werde auch künftig in Abstimmung mit dem Präsidium die Entscheidungen treffen.“ Schuster gibt aber zu: „Speziell im Scoutingbereich haben wir einige Defizite gehabt.“

Zeyer selbst sagte gestern: „Diese Funktion ist eine reizvolle Herausforderung.“ Die nicht nur die Bereiche Neuverpflichtungen und Vertragsverhandlungen enthält. „Wir wollen für die Kickers auch die strukturellen Rahmenbedingungen als Basis für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg weiter verbessern“, betont der Kickers-Präsident Edgar Kurz. Wobei es vor allem der Wunsch des neuen Investors war, sich innerhalb des Vereins mit einer Vertrauensperson zu positionieren.

Zeyer ist zwar bei den Kickers angestellt, wird aber letztendlich durch das Engagement des neuen Geldgebers finanziert. Der 42-Jährige, der nach seiner Karriere BWL studiert und einen Master in St. Petersburg gemacht hat, kennt sich auch im Bereich Marketing und Controlling aus: „So gesehen habe ich einige Felder, auf denen ich den Verein unterstützen kann“, sagt Zeyer, der die Aufgabe durchaus als längerfristigen Fulltimejob sieht und auch einen festen Arbeitsplatz in Degerloch bekommen wird. „Ich bin froh um jede Verstärkung“, sagt der Geschäftsführer Jens Zimmermann zu der Personalie.

Zimmermann weilte indes gestern in Darmstadt, wo 28 Vereine eine Strukturreform der vierten Liga vorantrieben und er zu einem der vier Sprecher ernannt wurde. Das Bestreben zielt auf eine zweigeteilte Regionalliga (Nord und Süd) ohne die zweiten Mannschaften der Proficlubs. Die wiederum sollen eine eigene Staffel bilden, deren Meister dann am Ende die schlechteste zweite Mannschaft in der dritten Liga ablösen würde. Ob da die mächtigen Bundesligisten mitspielen, steht auf einem anderen Blatt. Das DFB-Präsidium wird sich nächsten Dienstag am Rande der WM in Pretoria mit dem Anliegen der Clubs befassen.

Zumindest haben die Kickers die Lizenz für die nächste Saison bekommen – im Gegensatz zu Waldhof Mannheim, das nun in der Oberliga antreten will, die möglicherweise auf 19 Mannschaften erhöht werden muss. Zuvor hatten schon Reutlingen, Bamberg, RW Essen, TB Berlin und der Bonner SC keine Lizenz erhalten und Rostock II verzichtet – was die Dringlichkeit einer Regionalliga-Reform durchaus unterstreicht.

Stuttgarter Nachrichten

Ex-SC-Profi Michael Zeyer wird Berater der Stuttgarter Kickers

Der frühere Bundesliga-Profi Michael Zeyer hat einen neuen Job. Der ehemalige Spieler des SC Freiburg berät von sofort an den Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers.

Der 42-Jährige solle als „Koordinator Sport“ zusammen mit Cheftrainer Dirk Schuster „den operativen sportlichen Bereich“ weiterentwickeln, teilten die „Blauen“ am Mittwoch mit. Der Betriebswirt sei aber nicht Angestellter des Vereins. „Wir wollen für die Kickers auch die strukturellen Rahmenbedingungen als Basis für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg weiter verbessern“, erklärte Präsident Edgar Kurz die Zusammenarbeit mit Zeyer. Dessen Tätigkeit finanziert dem Vernehmen nach ein bei den Kickers im Februar eingestiegener, aber namentlich nicht genannter Investor.

Zeyer soll den Traditionsverein, der bis 2012 in die dritte Liga zurückkehren will, besonders im Scouting, bei Neuverpflichtungen und Vertragsverhandlungen unterstützen. Fernziel des Clubs ist die zweite Bundesliga. „Als Schwabe habe ich den Weg der Kickers immer mit Interesse verfolgt“, sagte Zeyer. „Die Position als Koordinator Sport ist eine sehr reizvolle Herausforderung.“

Als Profi absolvierte er 146 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg und den VfB Stuttgart. Zudem bestritt er 303 Zweitliga-Partien unter anderem für den SC Freiburg und den SV Waldhof Mannheim.

Badische Zeitung

Michael Zeyer neuer Koordinator Sport

Der 42jährige Betriebswirt Michael Zeyer wird ab sofort als Koordinator Sport für den SV Stuttgarter Kickers tätig sein. Der langjährige Bundesligaprofi, der im Laufe seiner Karriere insgesamt 146 Spiele in der 1. Fußball-Bundesliga und 301 Partien in der 2. Bundesliga bestritten hat, wird künftig in Zusammenarbeit mit Cheftrainer Dirk Schuster den operativen sportlichen Bereich weiterentwickeln.
„Wir wollen für die Kickers auch die strukturellen Rahmenbedingungen als Basis für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg weiter verbessern“, betont Kickers-Präsident Edgar Kurz.

Michael Zeyer wurde gezielt aus einigen Bewerbern für diese Position ausgewählt. „Fachlich und auch menschlich passt Herr Zeyer hervorragend in das Team der derzeit handelnden Personen“, zeigt sich Kurz mit der Besetzung Zeyers sehr zufrieden.

Das Aufgabengebiet von Michael Zeyer, der als Profispieler unter anderem für den SC Freiburg, Waldhof Mannheim, den MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf aktiv war, umfasst vor allem die Beratung und Unterstützung des Vereins und dessen Verantwortlichen in allen sportlichen Fragen und in Abstimmung mit dem Cheftrainer, insbesondere in den Bereichen Scouting, Neuverpflichtungen, Vertragsverhandlungen sowie der strukturellen sportlichen Weiterentwicklung.

Auch Michael Zeyer, der in Offenburg Betriebswirtschaftslehre studierte und einen Masterabschluss der Universität Hamburg im russischen St. Petersburg abgelegt hat, freut sich auf die Aufgabe bei den Stuttgarter Kickers. „Immer wieder haben sich im Laufe meiner sportlichen Laufbahn die Wege mit den Kickers gekreuzt. Als Schwabe habe ich außerdem selbstverständlich den Weg der Kickers immer mit Interesse verfolgt. Die Position als Koordinator Sport ist eine sehr reizvolle Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle“, so der in Neresheim geborene DFB-Pokalfinalist von 1998

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StN: Brücken über den Neckar

Von Jürgen Frey

Stuttgart – Edgar Kurz musste den Aufstieg des Hauptsponsors der Stuttgarter Kickers in die Bundesliga nicht aus den Medien erfahren. Eduardo Garcia, der Chef der Garmo AG, rief den Präsidenten des Fußball-Regionalligisten einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe seines Engagements beim VfB Stuttgart an. Der Hörer fiel Kurz nicht aus der Hand, aber überrascht war er schon. Spontan hat er gratuliert, und auch mit einem Tag Abstand sieht der Kickers-Chef Garcias Handel mit den Roten nicht als Nachteil für seine Blauen an: „Ich sehe diese tolle Maßnahme als absolut positives Zeichen für Stuttgart, und für die Kickers sogar als Chance“, sagt Kurz.

Ende März hatte Garcia seinen Vertrag als Hauptsponsor beim Viertligisten bis zum 30. Juni 2011 verlängert, mit der Option für eine weitere Saison. Jährlich fließen dadurch knapp 180.000 Euro in die Kasse. Daran wird sich nichts ändern – was Garcia gegenüber unserer Zeitung bestätigte: „Für die Region und die Kickers bringt mein neues Engagement nur Vorteile.“ So stehen die Chancen gut, dass der innerstädtische Vergleich zwischen Blau und Rot vor der Saison (diesmal steigt das Freundschaftsderby am 14. Juli) zu einer Dauereinrichtung wird. Auch ein Turnier um den Gazi-Cup mit VfB und Kickers wäre denkbar. Und Spieler, die im VfB-Drittligateam nicht immer zum Einsatz kommen, könnten in Degerloch geparkt werden und dort Spielpraxis sammeln. Für Kurz steht jedenfalls fest: „Wir haben in Herrn Garcia eine wichtige Brücke zu unserem großen Nachbarn, einen Mann mit Einfluss, der uns mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem VfB bietet.“ Die Zukunft wird zeigen, was konkret daraus wird.

Stuttgarter Nachrichten

StN: Kickers-Planspiele mit Michael Zeyer

Stuttgart – Noch hüllt sich die komplette Führungsetage der Stuttgarter Kickers in eisernes Schweigen. Doch nach Informationen unserer Zeitung steht fest, wer den Fußball-Regionalligisten im Auftrag seines Investors künftig beraten soll: Michael Zeyer (41). Der Ex-Bundesligaprofi, in der Saison 1998/99 für den VfB Stuttgart am Ball, spielte zuletzt 2006 für seinen Heimatverein Heidenheimer SB. Danach konzentrierte er sich auf sein BWL-Studium in St. Petersburg, das er Ende 2009 abschloss.

Die Hintergründe dieser Personalie sind klar: Im Februar dieses Jahres haben die Kickers nach intensiven Bemühungen einen strategischen Partner präsentiert, der partout nicht genannt werden will. Diese deutsche Investmentgesellschaft aus der Region Stuttgart stellt dem Verein Geld zur Verfügung, das diese mit einer erfolgsabhängigen Verzinsung zurückmöchte. Die Rendite steigt mit der Ligazugehörigkeit der Kickers. Der Partner erwartet also Erfolg – und bringt nicht nur rund eine Million Euro (auf zehn Jahre), sondern auch Fachwissen mit ein. Genau hier kommt Michael Zeyer ins Spiel. Er soll mit flankierenden Maßnahmen der sportlichen Leitung um Trainer Dirk Schuster zuarbeiten.

Stuttgarter Nachrichten

„330 potenzielle Nationalspieler“

Fußball Der neue Kickers-Jugendkoordinator Andreas Schanz im Interview. Von Rüdiger Ott

Der Auftrag ist klar: den fußballerischen Nachwuchs des Vereins fit für höhere Aufgaben zu machen. Der 36-Jährige spricht über seine neue Aufgaben, die Perspektiven des Vereins und die Schuhgröße von Lothar Matthäus.

Herr Schanz, kennen Sie die Schuhgröße von Zoltan Sebescen? Immerhin sind Sie jetzt in seine Fußstapfen getreten.

Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Schuhgröße Zoltan Sebescen hat. Aber wenn man sieht, dass Lothar Matthäus Schuhgröße 39 hat und seinerzeit der weltbeste Fußballer war, dann kann man wohl auch mit kleinen Füßen schnell rennen.

Seit 1. Mai sind Sie neuer Jugendkoordinator der Stuttgarter Kickers. Die Stelle war vakant, seitdem der Ex-Bundesligaprofi und Nationalspieler im Sommer 2009 auf der Waldau das Handtuch geworfen hatte . . .

Zoltan Sebescen war natürlich eine gewisse Größe. In der Zwischenzeit hat sich aber einiges getan. Der Jugendleiter Klaus Gickeleiter hat in den vergangenen Monaten schon sehr viel bewegt, und es wird sich noch viel bewegen.

In einem Interview mit dem BLICK VOM FERNSEHTURM sagte Sebescen damals, die Kickers hätten den Trend verschlafen, auf die eigene Jugend zu setzen. Können Sie mehr in die Waagschale werfen als er?

Ich weiß nicht, was Zoltan in die Waagschale geworfen hat. Ich weiß aber, was unser Team in der Jugendarbeit und auch ich in die Waagschale werfen können. Der Trend bei den Kickers geht inzwischen dahin, dass konsequent auf die eigene Jugend gesetzt wird.

Was konkret sind Ihre Aufgaben?

Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen den einzelnen Jugendmannschaften, der U 23- und der Regionalligamannschaft. Meine Aufgabe sehe ich auch darin, unser Trainerteam durch interne Weiterbildungen zu verbessern. Wir werden unsere Spieler durch zusätzliche Trainingseinheiten so gut wie möglich ausbilden. Sie sollen alle gängigen Systeme und Tempofußball spielen können. Und das, was im Argen liegt, muss optimiert werden.

Was liegt denn im Argen?

Ein Problem ist auf jeden Fall, dass unsere B-Junioren in der Oberliga um den Klassenverbleib kämpfen. Die Jungs spielen eine gute Rückrunde, und Uli Thon ist der richtige Mann für diese Situation. Ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten. Die Infrastruktur ist ebenfalls ein Problem.

Inwiefern?

Wir brauchen zusätzlich noch einen oder zwei Trainingsplätze. Es laufen derzeit Gespräche mit der Stadt, und wir könnten durch Kooperationen mit anderen Vereinen auf der Waldau deren Plätze nutzen.

Wie lauten Ihre langfristigen Ziele?

Mein Ziel ist, dass unsere heutigen Jugendspieler in einigen Jahren gestandene Spieler in unserem Oberliga- und Regionalligateam sein werden und wir mit diesen Jungs an die Tür der dritten Liga anklopfen.

Wie wichtig ist die Jugendarbeit für einen Verein wie die Stuttgarter Kickers?

Überlebenswichtig. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Wir wollen und müssen unsere eigenen Spieler top ausbilden und ihnen die Chance geben, sich im aktiven Bereich zu etablieren.

Wie kann zukünftig verhindert werden, dass große Clubs die besten Nachwuchsspieler der Kickers abwerben?

Wir haben den VfB vor der Tür, da brauchen wir nicht lange drum herum zu reden. Und wenn ein Spieler die Qualität besitzt, dort spielen zu können, werden wir ihn nur schwer halten können. Aber die Stuttgarter Kickers haben nach wie vor einen guten Ruf.

Die Blauen können als sportliche Perspektive momentan nur die vierte Liga bieten.

Aber gerade für junge Spieler ist das doch top. Das ist eine Bühne, auf der sie sich zeigen können. In unserem Oberligateam spielen zehn Jungs, die wir ausgebildet haben. In der Regionalliga sind es sogar zwölf Spieler, die den Sprung geschafft haben.

Noch eine weitere Frage: Was vereint die Herren Klinsmann, Buchwald und Bobic?

Sie kamen alle aus der Kickers-Jugend.

Wann wird es die nächsten Spieler von diesem Schlag geben, die das blaue Trikot von klein an tragen und dann Karriere machen?

Ob in einem, fünf oder in zehn Jahren, das kann ich momentan nicht sagen. Aber ich bin sicher, dass es wieder einen geben wird. Bei uns spielen derzeit 330 Kinder und Jugendliche – das sind 330 potenzielle Nationalspieler.

Stuttgarter Nachrichten

StN: Vor 100 Jahren: Erstmals eine englische Fußballmannschaft zu Gast in Stuttgart

Vor 100 Jahren
Von „Blick vom Fernsehturm“, aktualisiert am 28.04.2010 um 04:33

Die Kolumne „Vor 100 Jahren“ betreut unser Mitarbeiter Ulrich Gohl. Sie erscheint immer dann, wenn er bei der Lektüre alter Lokalzeitungen in Archiven und Bibliotheken Lustiges oder Merkwürdiges aus alten Tagen entdeckt.

Plieningen, 25. April: Gestern mittag stürzte der verheiratete 34 Jahre alte Schreiner Gotthilf Walker am Eingang des Dorfes von einer Eiche, auf die er gestiegen war, um ein Vogelnest auszunehmen. Bei dem Sturz brach er sich das Genick und war sofort tot.

(Aus dem Stuttgarter Neuen Tagblatt, Ausgabe vom 26. April 1910)

Fußballsport: Am Sonntag war erstmals eine englische Fußballmannschaft in Stuttgart, und zwar bei einem Wettspiel gegen die „Kickers“. Es war die … Londoner Mannschaft „The Pirates“. Tausende zogen den Bopser hinauf, um dem Ereignis beizuwohnen. Auch der Protektor des veranstaltenden Vereins, Herzog Ulrich, hatte sich eingefunden, ebenso der Kriegsminister, Gen. d. Inf. v. Marchtaler, und der Kommandant von Stuttgart, Gen.Leut. v. Scharpff. Außerdem war … der englische Konsul, Mr. Gastrell, unter den Gästen.

Die engl. Gäste unternahmen sofort einen schneidigen Angriff auf das Kickerstor, wo aber der Torhüter sicher seines Amtes waltete. Die Einheimischen ließen an Angriffslust nichts vermissen und statteten dem englischen Tore einige, allerdings erfolglose Besuche ab. Auf beiden Seiten wurde flott kombiniert, wobei die Kickers, die wieder ihre beste Elf auf dem Platze hatten, fast mehr zeigten als die Gäste, die dafür eine glänzende Ballbehandlung aufwiesen. Nach einer halben Stunde konnte Ahorn, der flinke Innenstürmer, einen guten Schuß ins Tor geben. Die Engländer versuchten vergebens … bis zur Pause gleichzuziehen…

Nach der Pause ging Stuttgart sofort wieder energisch vor, und nach kurzer Zeit schoß Löble an dem herauslaufenden Torhüter vorbei den Ball ins Netz. Die Gäste ließen aber nicht locker; bis zum Schluß griffen sie … kräftig an, aber immer wieder wurden sie zurückgeschlagen und mußten der … Kickersmannschaft einen schönen Sieg mit 2:0 Toren lassen.

Die Gäste, die noch von keiner deutschen Mannschaft geschlagen wurde, waren sichtlich von den Strapazen der Spiele in Düsseldorf (8:0), Wiesbaden (2:1) und Hanau (5:2) mitgenommen, sie bemühten sich aber, schönes Spiel zu zeigen, und ernteten auch lebhaften Beifall… Die Einheimischen … zeigten wieder einmal, daß sie wirklich eine gute Klasse repräsentieren. Der Führer der Engländer bezeichnete sie als die beste Mannschaft, die er je in Deutschland gesehen.

(Aus der Schwäbischen Kronik, Ausgabe vom 26. April 1910)

Stuttgarter Nachrichten