Presse zum Stand der Planungen für die 4. Liga

Das Ziel: bei Abstieg Aufstieg
Die Planungen des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers hängen nicht zuletzt vom Geld ab

STUTTGART. Das Präsidium der Stuttgarter Kickers hat am Montagabend getagt und sich mit dem Thema Regionalliga beschäftigt. Das Hauptproblem: bereits in der laufenden Saison drohen noch Liquiditätsprobleme.

Von Joachim Klumpp

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Also hat das Präsidium der Stuttgarter Kickers am Montagabend wegen des nahezu sicheren Abstiegs aus der dritten Fußballliga kurzfristig eine Sitzung einberufen. Ohne den Aufsichtsrat – der dafür einen Anforderungskatalog vorgelegt hat. „Die Fragen arbeiten wir jetzt ab“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum nach dem fast fünfstündigen Treffen. Der Tenor: man will die Planungen für die Regionalliga verstärken, Problemfelder gibt es genügend.

> Thema Manager: „Wir vier Vorstandsmitglieder stellen uns der Verantwortung“, sagt das Präsidiumsmitglied Dieter Wahl. Also auch im sportlichen Bereich, in dem zwar der Manager Joachim Cast die Hauptverantwortung trägt, aber nicht die alleinige, wie Wahl betont. Der Vorstand sei jedenfalls nicht abgeneigt, die Zusammenarbeit fortzusetzen, zu der sich Cast grundsätzlich bereiterklärt hat – auch wenn das nicht überall im Umfeld des Vereins auf Gegenliebe stößt.

> Thema Trainer: Interne oder externe Lösung? – so lautet die Gretchenfrage, die noch nicht beantwortet ist, sondern vielmehr auch vom ausstehenden Saisonverlauf abhängt. Je besser der verläuft, desto mehr steigen die Chancen des Duos Rainer Kraft/Alexander Malchow. Dazu kommt die von vielen favorisierte Lösung mit dem Oberligacoach Björn Hinck. Für eine externe Lösung (zum Beispiel mit Peter Starzmann) spricht indes, dass in diesem Fall auch ein frischer Wind in den Kader kommen würde.

> Thema Mannschaft: Ein Gerippe des aktuellen Kaders, der zwischenzeitlich auf 28 Spieler aufgebläht wurde, soll gehalten werden, der Präsident spricht „schon von zehn Spielern“. Wobei allerdings auch Nachwuchskräfte wie Thomas Gentner berücksichtigt wären. Eichelbaum weiß, dass „die Planung von den finanziellen Möglichkeiten abhängt.“

> Thema Finanzen: Bisher gehen die Kickers von einem Etat von etwa 1,5 Millionen Euro aus, es darf aber gerne auch etwas mehr sein. „Wir werden jetzt die Gespräche mit den Sponsoren vertiefen“, sagt Eichelbaum. Ganz oben auf der Liste steht Eduardo Garcia, der seinen Spanienaufenthalt bis Sonntag verlängert hat. Aus dem Hause des Trikotpartners ist einstweilen zumindest Wohlwollen zu vernehmen, was ein weiteres Engagement – in reduzierter Form – angeht.

> Thema Liquidität: Problematisch sind aktuelle Liquiditätsprobleme, weil in den verbleibenden drei Heimspielen aufgrund der Tabellensituation weniger Zuschauer als kalkuliert kommen werden, so dass sich das veranschlagte Defizit von 300 000 Euro noch erhöhen dürfte. Eichelbaum sagt dazu: „Wir müssen versuchen, hier Umschichtungen vorzunehmen.“ Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem geplanten Bayern-Spiel im Juli. Sollten alle Maßnahmen nicht fruchten, schwebt nach wie vor die Insolvenz über den Stuttgarter Kickers. „Das ist weder angedacht noch erwünscht“, betont der Insolvenzexperte Dirk Eichelbaum, „allerdings wäre es auch falsch, es gänzlich auszuschließen.“

> Thema Hauptversammlung: Die nächste Mitgliederversammlung steht turnusgemäß bis Ende November (mit Neuwahlen) an. „Eine vorgezogene Versammlung ist denkbar, derzeit aber nicht geplant“, sagt Eichelbaum, der einer Wiederwahl nicht abgeneigt ist.

> Thema Aufsichtsrat: Eine vorgezogene Hauptversammlung wäre erst notwendig, wenn zum Beispiel aus dem sechsköpfigen Aufsichtsrat zwei Personen zurücktreten würden. Bei dem stellvertretenden Vorsitzenden Christian Dinkelacker sitzt der Frust über die sportliche Entwicklung zwar tief, an ein Aufgeben denkt er, momentan, aber nicht: „Ich werde das sinkende Schiff jetzt nicht verlassen“, sagt Dinkelacker. Dafür macht er sich den Vorwurf, nicht früher auf Missstände aufmerksam gemacht zu haben. „Es gibt viele Fragen, auf die ich eine Antwort erwarte.“ Wie gesagt: das Präsidium arbeitet daran. Mit welchem Erfolg, ist allerdings offen.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Salz zum SC Freiburg?
Viele offene Baustellen

Stuttgart – Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat die Planungen für die Regionalliga forciert. Die Federführung liegt bei Manager Joachim Cast – ob er selbst über die Saison hinaus weitermacht, ist weiter offen. Dagegen könnte die Zukunft von Torwart Manuel Salz beim SC Freiburg liegen. Das Präsidium tagte von Montag auf Dienstag bis tief in die Nacht. Konkrete Sofortmaßnahmen konnte Präsident Dirk Eichelbaum danach nicht vermelden: „Wir überstürzen nichts“, sagte der Chef der Blauen. Die Baustellen im Einzelnen:

Der Manager: An der Gerüchteküche kursierte zu Wochenbeginn schon ein möglicher Rücktritt von Joachim Cast. Eichelbaum weiß davon nichts. „Cast treibt die Kaderplanung für die neue Saison voran.“ Und am Rundenende? „Das ist offen, tendenziell macht er weiter“, sagt der Präsident.

Der Trainer: Der Verein will abwarten, wie die nächsten Spiele unter dem Duo Rainer Kraft/Alexander Malchow laufen. Unabhängig davon hat nach wie vor Oberliga-Coach Björn Hinck gute Karten. Kein Thema ist eine Verpflichtung von Peter Starzmann (zuletzt SSV Reutlingen).

Die Finanzen: Es droht eine Deckungslücke von rund 300 000 Euro. Denkbare Variante: Ein Sponsor geht in Vorleistung und erhält einen Teil der Einnahmen aus dem Freundschaftsspiel gegen Bayern München (21. Juli). Auch auf eine beim DFB hinterlegte Kaution in Höhe von etwa 100 000 Euro könnten die Blauen im Notfall früher zugreifen. Eine Insolvenz schließt der Kickers-Chef aus.

Die Mannschaft: Ein Teil des Teams soll gehalten werden. Dazu gehören Torwart Benjamin Huber und die Feldspieler Marcus Mann, Torsten Traub, Thomas Gentner, Michael Schürg, Marco Tucci, Marcel Ivanusa und Ralf Kettemann. Sicher gehen wird Keeper Manuel Salz – möglicherweise zum SC Freiburg. Auch Borussia Dortmund und Hannover 96 haben ihre Fühler nach dem 23-Jährigen ausgestreckt. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

StN: Kickers wollen Drittletzter werden

Regionalligaplanungen vertieft

Stuttgart (jüf) – Sonntag und Montag waren trainingsfrei. Am heutigen Dienstag geht es für die Spieler des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers um 8 Uhr weiter. Zuerst geht es wegen einer verlorenen Wette zum Brezelbacken in eine Bäckerei – danach stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Unterdessen hat Präsident Dirk Eichelbaum – trotz des praktisch feststehenden Abstiegs – Trainer Rainer Kraft in einem Gespräch klargemacht: „Herschenken der Saison ist verboten.“ Ziel sei es, zumindest den drittletzten Platz zu erreichen. Um bei einem möglichen Lizenzentzug eines Konkurrenten Gewehr bei Fuß zu stehen.

In der kurzfristig angesetzten Präsidiumssitzung gestern Abend (bei Redaktionsschluss nicht beendet) trieben die Blauen bis tief in die Nacht die Planungen für die Regionalliga voran. Personalentscheidungen sollten keine getroffen werden. „Wer Trainer sein wird und ob Manager Cast bleibt, wird nicht das vorherrschende Thema sein“, sagte Eichelbaum vor der Sitzung.

Stuttgarter Nachrichten

StN: Kickers-Notruf im Überlebenskampf

Blaue Werbekampagne

Stuttgart – Es hat verdammt lange gedauert. Jetzt hat es bei den Stuttgarter Kickers endlich Klick gemacht. Mit einer breit angelegten Werbekampagne aus Plakaten, Flyern und Pick-Up-Cards wollen die Blauen bis zum Saisonschluss noch einmal ihre Fans aus Stuttgart und der Region mobilisieren: „Blaublut braucht dein Herzblut. Kämpf mit uns ums Überleben. Komm ins Stadion!“

Inzwischen haben es auch die Führungskräfte auf der Waldau verstanden. Wenn auf dem Platz nicht viel zusammengeht, muss von den Rängen das Feuer kommen. Beim eher unglücklichen 1:1 gegen Jahn Regensburg peitschten 3100 Zuschauer den akut abstiegsgefährdeten Drittligisten nach vorn. Schon am Samstag im Heimspiel gegen den SV Wuppertal (14 Uhr, Gazistadion) sollen es deutlich mehr sein. „Wir brauchen jeden Fan“, sagt Präsident Dirk Eichelbaum. Und Vorstandsmitglied Dieter Wahl fleht: „Mit dem Publikum im Rücken können wir es noch schaffen. Wir brauchen die Fans, die uns ihr Herzblut geben.“

Sieben Punkte fehlen den Blauen bis zur Nichtabstiegszone. Sieben Spieltage stehen noch aus. Jetzt soll die kostenlose Kampagne der Stuttgarter Agentur Wire die Initialzündung für einen fulminanten Endspurt im Kampf um den Klassenverbleib liefern. „Es ist nie zu spät“, sagt Wire-Chefin Gerti Eisele. Kein Zweifel: Die Frau hat Herzblut.

Gunter Barner

Stuttgarter Nachrichten

StN: Club startet Werbeoffensive

Die Blauen kämpfen um Gunst der Fans

Stuttgart (kli) – An die Saison 2006/2007 erinnert sich Dieter Wahl immer gerne zurück. Das Zweitrundenspiel der Stuttgarter Kickers gegen Hertha Berlin wurde zwar kurz vor Ende (0:2) wegen eines Becherwurfs auf den Schiedsrichter-Assistenten abgebrochen, dennoch bescherte die damalige DFB-Pokal-Teilnahme dem fürs Marketing zuständigen Präsidiumsmitglied der Blauen viel Freude. In der ersten Runde schalteten die Kickers den Hamburger SV (4:3 n. V.) aus. Und mit ihren Ankündigungsplakaten „Fischbesteck“ und „Her tha mit“ erreichten die Kickers bundesweit Aufmerksamkeit. „Mit diesen Plakaten haben wir es sogar ins ,Sportstudio“ geschafft“, freut sich Wahl. Das haben sich die Kickers diesmal zwar nicht als Ziel gesetzt. Durch die erneute Zusammenarbeit mit einer Stuttgarter Werbeagentur wollen sie aber mehr Zuschauer ins Stadion locken. An 250 Flächen in Stuttgart und der Region hängt der Drittligist künftig vor den Heimspielen Plakate mit dem Motto „Blaublut braucht dein Herzblut“ oder „Blaublut dankt für dein Herzblut“ auf. Die Hoffnung: Die Fans strömen auf die Waldau – die Spieler holen im Hexenkessel Gazistadion die nötigen Punkte. Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum stellt daher klar: „In den restlichen Spielen gibt es für jeden, dem die Kickers am Herzen liegen, eine Anwesenheitspflicht.“

Joe Bauer, StN-Kolumnist und Kickers-Fan, startete beim letzten Heimspiel eine eigene Werbeoffensive – und verteilte 3000 blaue Aufkleber mit der Aufschrift „In der Dritten siehst du besser!“

Stuttgarte rNachrichten

Presse zu Union Berlin – Stuttgarter Kickers (5:1) und dem bevorstehenden Trainerwechsel

Schmitt steht auf der Kippe
Dem Kickers-Trainer droht heute der Rauswurf – Als Nachfolger wird Rainer Kraft gehandelt

BERLIN/STUTTGART. Nach der 1:5-Niederlage der Stuttgarter Kickers in Berlin entwickelt sich die Trainerfrage zur Hängepartie. Eine Entscheidung soll nun heute bekanntgegeben werden.

Von Joachim Klumpp

Berlin ist eine Reise wert, so heißt es zumindest in den Reisekatalogen. Für die Stuttgarter Kickers galt dieses Motto allerdings nicht. Im Gegenteil. Was die mitgereisten Fans und Funktionäre vor 6000 Zuschauern am Sonntag zu sehen bekamen, glich einem Offenbarungseid, auch wenn beim Tabellenführer der dritten Liga nicht unbedingt ein Sieg erwartet werden durfte. Aber etwas mehr Gegenwehr schon als beim 1:5 in den 90 Minuten gegen Union Berlin.

Dieses Ergebnis hat die Bedenken gegenüber dem Trainer Edgar Schmitt erhöht. Ist er noch der richtige Mann am richtigen Ort? Nach einer Nacht des Überschlafens haben sich Präsidium und Aufsichtsrat gestern kurzgeschlossen – aber kein Ergebnis gefunden: Ob der Trainer morgen im Nachholspiel gegen Jahn Regensburg noch im Amt ist, blieb bis gestern Abend offen, auch wenn viele Anzeichen für eine Trennung sprechen. Die Verantwortlichen um den Präsidenten Dirk Eichelbaum haben sich um 20 Uhr nochmals zu einer Nachtsession zusammengefunden, um in medias res zu gehen. Mit dem Trainer am Tisch, der selbst nach der Niederlage in Berlin offensichtlich davon ausging, weiter auf der Bank zu sitzen. „Wir müssen nach vorne schauen und die nötigen Punkte gegen unsere direkten Konkurrenten holen“, sagte er unmittelbar nach dem Spiel.

Vor dem Osterwochenende hatten der Präsident Dirk Eichelbaum und der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz noch unisonso einen Trainerwechsel ausgeschlossen. „Wir ziehen das jetzt durch“, so Lorz. Der war beim Spiel in Berlin zwar nicht selbst anwesend, doch die Ausführungen seines Präsidenten müssen so erschreckend geklungen haben, dass nun doch noch das letzte Mittel in Erwägung gezogen wird, um den Klassenverbleib möglicherweise zu schaffen.

Was einem fast aussichtslosen Unterfangen gleicht, auch wenn Eichelbaum predigt: „Wir können es nach wie vor schaffen, die Situation ist nicht ausweglos.“ Dabei haben die Kickers bisher in 30 Saisonspielen erst fünf Siege verbucht – und mindestens diese Zahl bräuchten sie jetzt in acht verbleibenden Partien, um noch eine realistische Chance auf den Nichtabstieg zu besitzen.

Eichelbaum wehrt sich in diesem Zusammenhang auch gegen den Vorwurf, er habe für die beiden Spiele gegen Offenbach und Berlin quasi einen Freifahrschein ausgestellt. „Selbst in Berlin wäre ein Punkt möglich gewesen, wenn alle so gekämpft hätten wie ein Gambo oder Manuel Salz.“ Ganz offensichtlich hapert es aber an der Einstellung einiger Spieler. So soll der Kapitän Alexander Rosen nach der Partie den Fans gegenüber gesagt haben: „Hier spielt jeder für sich.“

Was ein Indiz dafür wäre, dass es Schmitt auch nach mehr als einem halben Jahr im Amt nicht gelungen ist, aus dem vorhandenen Spielermaterial eine Einheit zu formen. Als Favorit auf die Nachfolge gilt Rainer Kraft, der bisherige Assistent von Schmitt. „Ich kann und möchte dazu nichts sagen“, erklärte der 46-Jährige gestern Abend. Ihm zur Seite könnte Alexander Malchow als Co-Trainer gestellt werden, der in dieser Funktion schon seit der Winterpause tätig ist. Dagegen scheint Björn Hinck von der zweiten Mannschaft nicht in der engeren Wahl zu stehen, jedenfalls wurde er bisher nicht offiziell kontaktiert. Der 32-Jährige hat im Verein zwar eine hohe Wertschätzung, aber nicht die für die dritte Liga nötige A-Lizenz, auch wenn dieses Handicap mittels einer Ausnahmegenehmigung zu umgehen wäre. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass Hinck beruflich so eingespannt ist, dass er kurzfristig nicht in Vollzeit zu Verfügung stehen würde, was bereits bei der ursprünglich angedachten Lösung mit ihm als Co-Trainer der ersten Mannschaft das K.-o.-Kriterium war.

Rainer Kraft musste auch gestern noch den leblosen Auftritt in Berlin verdauen und sagte nur: „Heute um elf Uhr wollten wir trainieren – das werden wir auch.“ In welcher Konstellation auch immer.

Berlin: Glinker – Bemben (61. Menz), Stuff, Göhlert, Parensen – Younga-Mouhani – Mattuschka, Dogan, Gebhardt (68. Kohlmann) – Biran (61. Benyamina), Sahin.

Stuttgarter Kickers: Salz – Ortlieb, Mann, Traub, Härter – Traut, Rosen, Gambo, Gentner (68. Köpf) – Schürg (68. Kacani), Smeekes (68. Galm).

Schiedsrichter: Kuno Fischer (Leer)

Tore: 1:0 Biran (3.), 2:0 Dogan (24.), 3:0 Sahin (59.), 4:0 Gebhardt (65.), 4:1 Gambo (75.), 5:1 Benyamina (80.).

Stuttgarter Zeitung

„Es gibt Tendenzen“
Nachgefragt bei Dirk Eichelbaum

Die Zukunft des Kickers-Trainers Edgar Schmitt ist gestern Abend noch offengeblieben, obwohl die Verantwortlichen den gesamten Tag über die Trainerfrage diskutiert hatten. „Wir wollen die Entscheidung auf eine breite Basis stellen“, sagt der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, Sie haben gestern lange über den Trainer Edgar Schmitt diskutiert. Warum ist keine Entscheidung gefallen?

Weil wir die auf eine breite Basis stellen wollen, so dass einstimmig oder zumindest mit einer überwältigenden Mehrheit feststeht, ob wir so weitermachen oder nicht.

Sie meinen eine Mehrheit in den Vereinsgremien?

In den Gremien, aber wir wollten auch noch einmal mit dem Trainer sprechen.

Ist das im Laufe des Tages nicht bereits geschehen?

Doch. Aber ich wollte die Lage noch mal persönlich analysieren – und am Dienstag wird es zu einer Entscheidung kommen, die dann für die restlichen acht Saisonspiele gilt.

Und wenn der Trainer sagt, er will nicht gehen, dann bleibt er bei den Kickers?

Da muss man sehen, mit welcher Motivation er weitermachen will, ob er sich die Aufgabe noch zutraut. Es gibt Tendenzen, aber es macht keinen Sinn, jetzt groß darüber zu spekulieren.

Und eine mögliche Nachfolgediskussion wird anschließend geführt, oder wie muss man sich das vorstellen?

Der erste Schritt ist: machen wir mit Edgar Schmitt weiter? Wie stellt er sich das vor? Traut er sich die Aufgabe noch zu? Er weiß, was auf ihn zukommt, er wird nicht nur eine gute Presse bekommen. Geht er da durch oder nicht? Ich hätte mir die Antworten auch schon lieber gestern gewünscht. Aber es ist eben nicht ganz einfach, an einem Ostermontag alle Beteiligten zu erreichen. Und letztendlich brauchen wir jetzt einen Treueschwur. Und das hieße dann in der Folge, auch nach einem 0:1 am Mittwoch gegen Jahn Regensburg machen wir trotzdem weiter. Es bringt ja nichts, dann noch jemand ins kalte Wasser zu werfen.

Spielen bei der Entscheidung auch finanzielle Gründe eine Rolle?

Sagen wir es mal so: finanzielle Gründe spielen insofern eine Rolle, dass wir bei den Kickers die Lasten gemeinsam schultern. Wenn ich ein Präsident wäre wie der Kollege in Sandhausen, der das mehr oder weniger aus der eigenen Schatulle bestreitet, dann hätte ich mich da überhaupt nicht mit anderen beraten, sondern die Entscheidung für oder gegen Schmitt längst gefällt.

Wobei bei einem möglichen Trainerwechsel letztendlich, aufgrund des Zeitdrucks, ja nur eine interne Lösung in Betracht kommen dürfte?

Eine externe Lösung, mit einem sogenannten bekannten Namen, gibt es auf dem Markt derzeit sowieso nicht. Also hätte das auch wenig Sinn.

Stuttgarter Zeitung

Schmitt droht der Rauswurf
Hängepartie um den angeschlagenen Trainer der Stuttgarter Kickers

Stuttgart – Es war ein turbulenter Ostermontag für die Stuttgarter Kickers. Die Führungsmannschaft des Fußball-Drittligisten diskutierte nach dem 1:5 am Vortag bei Union Berlin bis tief in die Nacht um die Zukunft von Edgar Schmitt. Alles sprach für einen Trainerwechsel – eine offizielle Bestätigung gab es aber nicht.

VON JÜRGEN FREY

Schon auf der Rückfahrt von Berlin war Dirk Eichelbaum in Sachen Trainer hin- und hergerissen. Nein, von eindeutigen Auflösungserscheinungen in der Mannschaft könne nicht die Rede sein. Aber seiner Stimme war anzumerken: Allzu weit weg waren die Kickers davon sicher nicht. Entsprechend geladen war der Kickers-Präsident: „So kann es nicht weitergehen. Die Einstellung der meisten Spieler war lasch. Nur ein paar wenige gingen an ihre Grenzen“, schimpfte Eichelbaum schon am Ostersonntagabend. Da dies nicht zum ersten Mal der Fall war und der Trainer nun eben mal für den Auftritt seiner Mannschaft verantwortlich ist, liefen gestern in der Führungsetage der Blauen die Drähte heiß. Die Diskussion um den Trainer entwickelte sich zu einer Hängepartie. Um 20 Uhr gab es eine weitere Sondersitzung. Bis tief in die Nacht wurden Pro und Contra abgewogen. Ein Konsens war nur schwer zu erreichen. Vor allem Manager Joachim Cast hielt zu Edgar Schmitt. Dennoch deutete alles darauf hin, dass sich die Kickers von ihrem Chefcoach trennen werden. „Wir müssen eine tragfähige Basis finden und alle unter einen Hut bringen, das ist keine leichte Aufgabe“, sagte Eichelbaum am Abend. Chaostage unterm Fernsehturm? Davon wollte der 44-jährige Jurist nichts wissen: „Es ist nicht so, dass bei uns die Rechte nicht weiß, was die Linke tut. Wir machen uns die Entscheidung nur nicht einfach.“

Am Nachmittag hatten sich die Anzeichen auf eine Trennung von Schmitt verdichtet. Vor den beiden Heimspielen in dieser Woche gegen Jahn Regensburg (morgen, 19 Uhr) und am kommenden Samstag (14 Uhr) gegen den Wuppertaler SV sollten noch einmal neue Impulse gesetzt werden. Als heißester Kandidat für eine mögliche Nachfolge wurde bereits Rainer Kraft gehandelt. Der langjährige Assistent von Edgar Schmitt verfügt über die in der dritten Liga nötige DFB-Fußballlehrer-Lizenz. Ihm zur Seite stehen könnte Ex-Profi Alexander Malchow, der bereits dem Trainerstab angehört. Oberligatrainer Björn Hinck besitzt dagegen nur die A-Lizenz. Im Fall des Abstiegs in die Regionalliga wäre der 32-Jährige der Wunschkandidat der Blauen. Von der Überlegung, ihn schon jetzt, mit einer Ausnahmegenehmigung, ins kalte Wasser zu werfen, halten die Macher offenbar wenig. Würde Hinck das Wunder Klassenverbleib gelingen, wäre er der Held von der Waldau – könnte aber in der neuen Runde wegen fehlender Lizenz nicht bleiben. Schafft er die Rettung nicht, wäre er möglicherweise im Hinblick auf den Neuaufbau bereits verheizt.

Edgar Schmitt war am Montag nicht zu erreichen. Bereits unmittelbar nach der Partie in Berlin wirkte er angeschlagen und soll um ein Gespräch mit der Vereinsführung gebeten haben. Denn mit minimalem Aufwand hatte Spitzenreiter Berlin das harmlose Schlusslicht an die Wand gespielt. „Ich hatte mir schon mehr Kampfbereitschaft und Ordnung gewünscht“, sagte Schmitt. Dass es auch in der Mannschaft drunter und drüber geht, zeigte ein Vorkommnis am Rande der Partie. Schmitt hatte Mittelfeldspieler Josip Landeka, der mit der Mannschaft nach Berlin gereist war, nicht für den Kader nominiert. Hintergrund: Landeka soll sich nach seiner Auswechslung im Spiel gegen Offenbach zu sehr auf der Tribüne amüsiert haben. Landeka jedenfalls war über die Ausbootung stinksauer: Er nahm sich nach dem Schlusspfiff in Berlin ein Taxi zum Bahnhof und fuhr mit dem Zug nach Hause. Unter einem Trainer Schmitt dürfte es für ihn keine Zukunft geben. Alles Weitere wird sich zeigen: Heute um 10 Uhr ist Training, um 13 Uhr Pressekonferenz.

Stuttgarter Nachrichten

Alles spricht für Rainer Kraft
Co-Trainer soll Chef werden

Stuttgart (jüf) – Für den Fall, dass die Stuttgarter Kickers ihren Cheftrainer Edgar Schmitt beurlauben, gilt der bisherige Co-Trainer Rainer Kraft als Favorit, die Mannschaft bis zum Saisonende zu betreuen. Der 46-Jährige ist in Stuttgart geboren, aufgewachsen und lebt seit 2004 wieder in der Landeshauptstadt.

Kraft arbeitete bereits beim VfR Aalen mit Schmitt zusammen. Früher spielte er in der Verbandsliga Nordbaden beim TSV Reichenbach zusammen mit Edmund Becker. Der jetzige Trainer des Karlsruher SC war es auch, der Kraft 1996/97 als Physiotherapeuten und Rehatrainer zum KSC II holte. Nach einer Saison wechselte er bis 2001 in gleicher Funktion zum VfB Stuttgart. Als Cheftrainer war Kraft für den Kreisligisten FC Unterheimbach tätig. 2005 ging er zum VfR Aalen. Dort hatte er bis zum Ende der vergangenen Saison neben seiner Co-Trainer-Aufgabe auch die Verbandsligaelf trainiert. 2007 hat Kraft die DFB-Fußballlehrer-Lizenz erworben.

Stuttgarter Nachrichten

Jetzt oder nie
VON JÜRGEN FREY

Edgar Schmitt ist ein netter Kerl, er kommt beim Großteil der Mannschaft gut an, lange Zeit mochten ihn auch die Fans. Das ändert nichts daran: Wenn den freien Fall der Kickers überhaupt noch etwas bremsen kann, dann ein Trainerwechsel. Denn Schmitt fehlte zuletzt nicht nur jegliche Fortune, er machte auch Fehler. Er hat die Elf im Winter ergänzt, anstatt sie zu verstärken. Und was das Wichtigste ist: Schmitt bastelte im Zickzackkurs an Aufstellung und Spielsystem herum, ohne dem Team eine neue Handschrift zu verpassen. Ergebnis: Verunsicherung, Ratlosigkeit, zuletzt fehlte sogar der Kampfgeist.

Allerdings sind es sicher nicht die Fehlleistungen des Trainers allein, die den Traditionsclub an den Abgrund trieben. Die Führungsetage stemmte sich viel zu spät gegen das drohende Unheil. Blau und lau – es passt ins Bild, dass die Kickers trotz stundenlanger Diskussionen gestern keine Entscheidung in Sachen Trainer verkündeten. Heute dürften sie die Trennung bekannt geben – es wäre der letzte Strohhalm.

Stuttgarter Nachrichten

Schmitts Stuhl wackelt

Trainer-Diskussion bei den Stuttgarter Kickers nach dem 1:5-Debakel in Berlin

Stuttgart (hag) – Die Stuttgarter Kickers verlieren in der dritten Fußball-Liga das rettende Ufer immer mehr aus den Augen. Nach der 1:5-Niederlage beim Spitzenreiter Union Berlin sind die Kickers bereits sieben Punkte vom 17. Platz weg. Nicht ausgeschlossen ist, dass heute Coach Edgar Schmitt abgelöst wird.

Gestern Abend liefen Gespräche um die Zukunft des Trainers, eine Entscheidung soll heute verkündet werden. „Für uns fängt am Mittwoch die schwere Serie an. Wir müssen dieses Spiel schnell abhaken und die nötigen Punkte dann holen“, hatte Schmitt nach dem Debakel in Berlin direkt auf die äußerst wichtigen Heimspiele morgen (19 Uhr) gegen den Tabellen-14. Jahn Regensburg und am Samstag (14 Uhr) gegen den 15. Wuppertaler SV vorausgeblickt. Ob er bei diesen im Abstiegskampf wohl vorentscheidenden Partien auf der Bank sitzen wird, ist momentan indes offen.

Die Berliner hatten keine Mühe, gegen das in allen Belangen unterlegene Schlusslicht fünf Treffer zu erzielen. Zur Pause stand es nach Toren von Shergo Biran (4.) und Hüzeyfe Dogan (25.) 2:0, in Hälfte zwei erhöhten Kenan Sahin (59.) und Marco Gebhardt (65.) auf 4:0. Nach dem Kickers-Ehrentreffer durch Bashiru Gambo (75.) setzte Karim Benyamina (80.) den 5:1-Schlusspunkt. „Dass man bei Union Berlin nicht unbedingt gewinnen muss, ist klar“, meinte Schmitt. „Aber man muss auch nicht 1:5 verlieren.“ Die Art und Weise ernüchterte den Coach: „Das ist zu wenig, das muss man ganz klar sagen.“

Stuttgarter Kickers: Salz – Ortlieb, Mann, Traub, Härter – Traut, Rosen, Gambo, Gentner (68. Köpf) – Schürg (68. Kacani), Smeekes (68. Galm).

Eßlinger Zeitung

Freude, die beruhigt
Der 1. FC Union feiert schon mal den Aufstieg – ein ganz kleines bisschen jedenfalls.

14.4.2009 0:00 Uhr Von Matthias Koch

Ritter Eisenheart muss mächtig ins Schwitzen gekommen sein. Das „ Maskottchen des Fußball-Drittligisten 1. FC Union mit dem seltsamen Namen tanzte nach dem 5:1 (2:0)-Erfolg gegen die Stuttgarter Kickers wild im Kreis der jubelnden Berliner Spieler umher. Bei sommerlichem Wetter im Jahn-Sportpark dürfte die Betriebstemperatur des Kostümträgers bedrohliche Ausmaße angenommen haben. Damit nicht genug. Der Mann mit der überdimensionalen Keule musste auch noch den Union-Trainer aus der Kabine holen.

Uwe Neuhaus hatte im Gegensatz zu seinen Spielern das öffentliche Jubeln viel früher eingestellt und die Rufe der Fans anscheinend nicht gehört. „Wir wollen den Trainer sehen“, skandierten die Anhänger auf der Gegengeraden zunächst mehrfach vergeblich. Als Neuhaus das von Ritter Eisenheart persönlich übermittelt wurde, eilte der 49-Jährige fast 15 Minuten nach dem Abpfiff noch einmal aufs Feld, um mit den Fans La Ola zu zelebrieren.

Nimmt man noch die triefende Wasserdusche für Angreifer Kenan Sahin vor laufender Fernsehkamera durch die Sturmkollegen Karim Benyamina und Shergo Biran hinzu, sah das schon ein bisschen nach einer kleinen Aufstiegsfeier beim 1. FC Union aus.

Das wundert nicht. Vor dem Spiel am kommenden Sonntag beim Tabellendritten Fortuna Düsseldorf brauchen die Köpenicker aus den letzten sieben Meisterschaftsbegegnungen nur noch zehn Punkte zu holen, um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga definitiv zu sichern. „Jetzt erwartet uns ein ganz heißes Spiel in Düsseldorf. Die rechnen mit 25 000 oder 30 000 Zuschauern“, blickte Neuhaus voraus. „Wir freuen uns auf dieses Spiel. Mit unserem Vorsprung kann man auch mit Spaß und Freude nach Düsseldorf fahren.“

Die Stuttgarter Kickers dagegen konnten am Ostersonntag vor 6004 Zuschauern Unions Erfolg zu keinem Zeitpunkt gefährden. Schon vor der Pause sorgten Shergo Biran und Hüzeyfe Dogan für einen beruhigenden 2:0-Vorsprung. In der zweiten Halbzeit trugen der überragende Kenan Sahin, Marco Gebhardt mit seinem ersten Saisontor und der eingewechselte Karim Benyamina zum höchsten Sieg der Berliner in dieser Saison bei. Der Ehrentreffer des Tabellenschlusslichts durch Bashirou Gambo störte Unions Osterfest nur kurzzeitig. „Es war ein sehr schöner Nachmittag für uns. Wir hatten nicht das Gefühl, das hier etwas anbrennen kann“, sagte Unions Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan nach dem 17. Spiel ohne Niederlage in Serie.

Bei so viel Harmonie wird es allmählich schwer, Kritikpunkte zu setzen. Uwe Neuhaus machte es dennoch. Vielleicht, um die Konzentration der Spieler aufrecht zu halten. „Wir haben schnell 2:0 geführt, aber ich war mit einigen Dingen nicht einverstanden“, versuchte Neuhaus ein bisschen rumzunörgeln. Doch so kurz vor der Ziellinie zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga dürfte das für den Fußballlehrer zunehmend schwerer werden.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.04.2009)

Dritte Liga
1. FC Union ist schon in Aufstiegsstimmung
Montag, 13. April 2009 16:38 – Von Michael Färber

Nach dem 5:1 gegen Stuttgart fehlen dem Berliner Drittligisten nur noch zehn Zähler aus sieben Partien, um die Rückkehr in die Zweite Liga perfekt zu machen. Vorausgesetzt, die Mitbewerber aus Paderborn, Düsseldorf oder Unterhaching geben sich weiter keine Blöße, so wie am vergangenen Wochenende.

Die Fans hatten ihren Helden schnell auserkoren. Der Gefeierte ließ sich auch nicht lange bitten, auch wenn ihn Ritter Keule, das Maskottchen des 1. FC Union, erst aus den Katakomben des Jahn-Sportparks hatte holen müssen. „Wir woll’n den Uwe sehen“, schallte es von den Rängen. Außerdem machte der Anhang der Köpenicker Kicker unter den 6004 Zuschauern am Ostersonntag deutlich: „Ohne Uwe geh’n wir nicht nach Haus!“ Und so tat jener Uwe, was von ihm erwartet wurde. „Natürlich freut das einen, da geht man gern raus“, sagte Uwe Neuhaus. Und ließ La Ola durch die Ränge schwappen.

Dabei ist der Trainer der Unioner niemand, der sich in den Vordergrund spielt. Erst recht nicht nach einem 5:1 (2:0), selbst wenn es nur gegen den Tabellenletzten der Dritten Liga, die Stuttgarter Kickers, gegangen war. Also fügte er rasch hinzu: „Das ist auch eine Anerkennung für die Mannschaft:“ Jene Mannschaft ist seit 17 Spielen ungeschlagen, liegt zwölf Punkte vor Relegationsplatz drei und benötigt noch zehn Zähler aus den letzten sieben Saisonspielen, um die Rückkehr in die Zweite Liga perfekt zu machen – vorausgesetzt, die Mitbewerber aus Paderborn, Düsseldorf oder Unterhaching geben sich weiter keine Blöße, so wie am vergangenen Wochenende.

Sahin ragt aus dem Team heraus
„Dass die Konkurrenz ihre Spiele gewonnen hat, war vielleicht sogar ganz gut für uns“, bilanzierte Neuhaus. Nur so sei es für seine Mannschaft möglich gewesen, aus dieser vermeintlich leichten Partie mehr als nur einen leichten Osterspaziergang zu machen. Keine Frage, der sportliche Aufschwung bei Union in den vergangenen knapp zwei Jahren ist untrennbar mit Uwe Neuhaus verbunden. Beim Sieg gegen die Kickers, die den Beweis ihrer Drittliga-Tauglichkeit 90 Minuten lang schuldig geblieben waren, kommt man an einem anderen Namen nicht vorbei: Kenan Sahin. Die ersten beiden Tore durch Shergo Biran und Hüzeyfe Dogan mustergültig vorbereitet, schlug der 24-Jährige in der 59. Minute selbst zu. Zwei Stuttgarter waren vorher wie Statisten zurückgeblieben.

Sahin selbst sprach später von einem „Arbeitssieg für uns“. Nach Arbeit sahen Marco Gebhardts Lupfer zum 4:0 – Vorarbeit: natürlich Sahin – und auch der Kopfball des eingewechselten Karim Benyamina zwar nicht aus. Doch auch Sportdirektor Christian Beeck hatte erkannt: „Das war sicher nicht alles Gold, was geglänzt hat.“ Der Trainer wurde etwas genauer. „Vor allem die Rückwärtsbewegung nach der 2:0-Führung hat mir nicht gefallen“, sagte Neuhaus. Die Kickers, die sich noch eine Minimalchance auf den Klassenerhalt ausrechnen, „haben immer drei, vier Spieler in der Offensive zurückgelassen“, erklärte der Coach: „Das hätte ins Auge gehen können.“

Fans feiern Trainer Neuhaus
Doch es bedurfte einer Standardsituation, damit die Schwaben zu ihrem Ehrentreffer kamen. Bashirou Gambo verwertete einen Eckball per Kopf in der 75. Minute. Der Vorfreude auf den Aufstieg tat dies keinen Abbruch. „Ihr könnt schon mal reingehen“, rief Neuhaus seinen Spielern mit einem Augenzwinkern zu, ehe er auf das Spielfeld lief. Kurze Zeit später stand er vor den Fans des 1. FC Union. Sie wollten ihren Helden feiern.

Berliner Morgenpost

StZ: Hängepartie bei den Kickers

Schwierige Planungen

STUTTGART (ump). Einer der Standardsätze des Kickers-Trainers Edgar Schmitt lautet: „Abgerechnet wird am 38. Spieltag.“ Das ist richtig, und selbst nach der 0:1-Niederlage gegen Offenbach ist der Abstieg der Stuttgarter aus der dritten Liga noch nicht besiegelt. „Wir haben zwar sechs Punkte Rückstand“, sagt der Manager Joachim Cast, „aber auch noch ein Spiel weniger.“ Das gegen Regensburg am nächsten Mittwoch, womit – zumindest nach Ansicht des Präsidenten Dirk Eichelbaum – die Aufholjagd eingeläutet werden soll: „Dann beginnt für uns eine Reihe von Sechspunktespielen.“ Dass solche Aussagen nicht glücklich sind, haben die Beteiligten inzwischen eingesehen, so dass ruhig auch schon am Sonntag beim Spitzenreiter Union Berlin eine Überraschung herdarf.

Unabhängig davon werden die Planungen für die nächste Saison durch die sportliche Hängepartie nicht erleichtert. Ein Problem, das sich schon nach der auf den letzten Drücker geglückten Qualifikation zur dritten Liga als Handicap erwies. „Normalerweise müssen wir jetzt die Weichen stellen“, sagt Schmitt. Aber in welche Richtung? „Das ganze Augenmerk gilt der dritten Liga“, betont der Manager Cast. Gleichwohl wurden die Lizenzierungsunterlagen für die Regionalliga eingereicht. Während im Falle eines Abstiegs nur Bashiru Gambo unter Vertrag steht, laufen in der dritten Liga ein Dutzend Verträge weiter – zum Beispiel von Benjamin Huber, Jens Härter, Josip Landeka, Ralf Kettemann, Jörn Schmiedel, Michael Schürg oder auch Torsten Traub und Sascha Traut.

Ob sämtliche Spieler gehalten werden sollen, steht auf einem anderen Blatt. Nach dem Heimspiel gegen Wuppertal sollen die ersten Vertragsgespräche beginnen, „so lange möchte ich da keine Störfeuer reinbringen“, sagt Cast. Bei den auslaufenden Verträgen dürfte es schwierig werden, den Torwart Manuel Salz zu halten, auch ein weiteres Engagement bei Orlando Smeekes ist eher unwahrscheinlich, selbst beim Ligaverbleib.

Und im Fall des Abstiegs? Dann würde Plan B greifen. „Da hätte der Kader ein ganz anderes Gesicht“, sagt Cast. Das Gerippe würden die Spieler der aktuellen zweiten Mannschaft stellen, von der bereits um die 15 Mann für die nächste Saison unterschrieben haben, während mit dem Torjäger Marcel Ivanusa noch verhandelt wird. Die Oberligaelf könnte übrigens noch für eine positive Überraschung sorgen, wenn sie sich für den DFB-Pokal qualifizieren würde. Dafür müsste sie aber den WFV-Wettbewerb gewinnen und dort erst einmal heute (17.15 Uhr) im Achtelfinale den VfL Kirchheim schlagen.

Stuttgarter Zeitung

STN: Kickers droht dickes Minus

Präsident Eichelbaum: „Wir müssen nacharbeiten“

Stuttgart (StN) – Den Stuttgarter Kickers droht bis zum Saisonende ein großes Loch im Etat. „Wir müssen nacharbeiten“, gab der Präsident des Fußball-Drittligisten, Dirk Eichelbaum, zu.

Als das Präsdium und der Aufsichtsrat am Donnerstagabend turnusmäßig zusammenkamen, war die miserable Vorstellung der Kickers beim 0:3 gegen den VfB II immer noch Gesprächsthema. Die Hoffnung, auch in der neuen Saison in der dritten Liga zu spielen, sinkt mit jeder Niederlage, gestorben ist sie aber noch nicht. „Wir glauben daran, dass sich die Dinge für uns zum Guten wenden“, sagte Eichelbaum. Trotz allem Optimismus – an einer zweigleisigen Planung für die neue Saison führt kein Weg vorbei. „Dies als Tabellenletzter nicht zu tun wäre grob fahrlässig“, betonte Eichelbaum: „Wir haben am Donnerstag deshalb vor allem strategische Dinge für den Fall Regionalliga besprochen.“ Zumal viele Spielerverträge nur für die dritte Liga gültig sind.

Noch größere Sorgen bereiten allerdings die Finanzen der Blauen: Bis zum Saisonende droht ein Loch im Etat in der Größenordnung von bis zu 300 000 Euro. „Es gab einige Liquiditätsverschiebungen“, erklärte Eichelbaum, „zum Beispiel durch einen erhöhten Personaletat. Wir müssen nacharbeiten.“ Hauptsponsor Gazi hat deshalb bereits 10 000 Euro zusätzlich überwiesen, das Benefizspiel gegen den VfB brachte 54 000 Euro. Außerdem überlegt eine neue Werbeagentur, mit welchen Aktionen man das Stadion bei den Heimspielen füllen kann.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Die Zeit des Schönredens ist vorbei

Beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers wird der Ton rauer – Mentaltrainer im Gespräch

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers stehen in der dritten Liga vor den Wochen der Wahrheit. „Wir erwarten vier Punkte aus den nächsten beiden Spielen“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum, der das aber nicht als Ultimatum an den Trainer verstanden wissen will.

Von Joachim Klumpp

Der Schnee auf Degerlochs Höhen ist komplett geschmolzen, die Sorgen bei den Stuttgarter Kickers sind dadurch aber nicht geringer geworden. Im Gegenteil: im März stehen die Wochen der Wahrheit auf dem Programm, wie es der Manager Joachim Cast formuliert hat. Was sich mit der Meinung der Vereinsgremien deckt. Am Dienstagabend jedenfalls tagten Präsidium und Aufsichtsrat – und der Ton ist dabei durchaus rauer geworden. Dafür steht vor allem Dieter Wahl. Das Präsidiumsmitglied sagte als Fazit der Sitzung: „Die Zeit des Schönredens ist vorbei.“

Nach nur 14 Punkten und dem letzten Tabellenplatz muss jedem klar geworden sein, dass sich die Kickers in akuter Abstiegsgefahr befinden. Erst recht, nachdem die erste und bisher einzig gespielte Begegnung im Jahr 2009 beim 0:2 in Düsseldorf einem Offenbarungseid gleichkam. „Das war ja ein gefühltes 0:5“, ärgert sich der Präsident Dirk Eichelbaum noch immer über die Vorstellung und Einstellung der Mannschaft „So etwas darf sich nicht mehr wiederholen“, betont der Jurist, der bereits zeitnah der Mannschaft ins Gewissen geredet hat. Doch dabei soll es nicht bleiben, weitere Maßnahmen folgen:

> Zum Spiel am Samstag bei Erzgebirge Aue werden nahezu das komplette Präsidium sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz anreisen, um vor dem Anpfiff vor Ort noch mal mit dem Trainer Edgar Schmitt persönlich zu sprechen.

> Vor dem Heimspiel am nächsten Mittwoch gegen Unterhaching wird es ein gemeinsames Abendessen mit Spielern plus deren Begleitung geben, um noch einmal das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern.

> Bis zum Montag will das Präsidium schließlich entscheiden, ob künftig ein Mentaltrainer mit ins Boot genommen werden soll, was in der Vergangenheit immer wieder einmal diskutiert wurde, um auch hier das Optimale aus den Spielern herauszuholen.

Das zeigt: der Ernst der Lage ist erkannt, weshalb die Verantwortlichen auch mit einer sportlichen Zielvorgabe nicht mehr hinter dem Berg halten. „Wir erwarten vier Punkte aus den nächsten beiden Spielen“, sagt der Präsident, der dies allerdings nicht als Ultimatum an den Trainer verstanden wissen will. „Wenn die Punkte nicht eingespielt werden, heißt das nicht automatisch, dass der Trainer infrage gestellt wird.“ Doch Diskussionsbedarf ergibt sich dann automatisch, ob es den Beteiligten passt oder nicht.

Generell schlägt Eichelbaum vergleichsweise moderate Töne an. „Es bringt nichts, jetzt noch mehr Druck zu erzeugen, der ist schon allein durch die Ergebnisse der Konkurrenten entstanden.“ Sein Präsidiumskollege Dieter Wahl sieht das etwas anders. „Die Mannschaft muss mit dem Druck umgehen.“ Viel zu lange schon plätschert die Saison vor sich hin, ohne durchschlagenden Erfolg. Die Mannschaft war Letzter als Edgar Schmitt kam, und ist es immer noch – mit inzwischen neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Der erwartete Aufschwung unter „Euro-Eddy“ ist bisher also ausgeblieben. Was Folgen auf allen Ebenen hat.

Denn die sportliche Entwicklung ist unmittelbar mit der wirtschaftlichen verbunden. Und auch da ist die Lage „unverändert schwierig“, wie Eichelbaum zugibt, wobei die beiden Spielausfälle im Februar gegen Haching und Regensburg ihren Teil beigetragen haben. Unabhängig davon droht bis zum Saisonende ein Loch von 300 000 Euro in der Kasse. Deshalb hofft der Präsident, dass mit einer Aufholjagd auf dem Platz auch die Fans wieder vermehrt ins Gazi-Stadion strömen. „Bei weiteren Niederlagen spielen wir natürlich bald vor 1400 Zuschauern“, ist sich Eichelbaum bewusst, dass Chance und Risiko dicht beieinander liegen.

Zumal am 25. März auch noch die Freundschaftspartie gegen die VfB-Profis auf dem Programm steht, die ihren Teil zur finanziellen Genesung beitragen soll. Da erwarten die Kickers optimistisch 7000 Zuschauer. Was als Tabellenletzter allerdings ein schwieriges Unterfangen werden dürfte. Deshalb fordert Dieter Wahl: „Ab sofort gilt es zu punkten.“

Stuttgarter Zeitung