Presse zu Stuttgarter Kickers – Rot-Weiß Erfurt

Ein Dämpfer zur rechten Zeit?
Die Kickers-Niederlage gegen Erfurt zeigt, dass der Klassenverbleib kein Selbstläufer wird

STUTTGART. Nach dem 1:2 gegen Erfurt in der dritten Liga scheiden sich die Geister bei den Stuttgarter Kickers vor allem an Orlando Smeekes. „Bei ihm wechseln Licht und Schatten“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast.

Von Joachim Klumpp

Bundesweit gedachten am Wochenende alle Fußballclubs bis zur Oberliga der Opfer des Amoklaufs von Winnenden. Doch bei keiner Partie war die Anteilnahme so omnipräsent wie bei der zwischen den Stuttgarter Kickers und Rot-Weiß Erfurt. Es war fast schon Ironie des Schicksals, dass hier die beiden Vereine aufeinandertrafen, die von Schulmassakern am nächsten betroffen waren: in Winnenden und vor sieben Jahren in Erfurt.

In den 90 folgenden Minuten galt der Blick dann wieder dem Fußball, auch wenn der aus Sicht der Kickers durch die Heimniederlage zusätzlich getrübt wurde. Denn nach zuletzt zwei Siegen bestand berechtigte Hoffnung, dass die Mannschaft mit weiteren Punkten endlich mal wieder die rote Laterne abgeben könnte. Doch daraus wurde nichts, obwohl die Weichen gestellt schienen. Denn zunächst einmal profitierten die Kickers bei ihrer Führung von einem Torwartfehler Orlishausens und kurz vor der Pause noch von einer rüden Attacke Pesolats gegen Parmak, die glatt mit Rot bestraft wurde, so dass selbst Erfurts Trainer Karsten Baumann zugeben musste: „Berechtigt“. Doch weder aus der vermeintlichen Unsicherheit des Schlussmannes noch der numerischen Überlegenheit konnten die Kickers Kapital schlagen. Im Gegenteil: durch einen individuellen Fehler von Steinle hieß es 1:2, nach 52 Minuten und am Ende. Ein Rückschlag – zur rechten Zeit? Der Trainer Edgar Schmitt gibt sich gelassen: „Es werden Vereine unten reinkommen, die noch gar nicht daran denken.“

Dass Orlando Smeekes nach dem Schlusspfiff vor 3690 Zuschauern mit sich und der Welt haderte, hatte seinen Grund. Denn der Niederländer offenbarte wieder einmal seine zwei Gesichter. „Licht und Schatten“, so der Manager Joachim Cast, wobei Letzteres diesmal überwog. In seinem Übereifer provozierte er unnötige Zweikämpfe, so dass am Ende ein möglicher Elfmeterpfiff ausblieb, doch nicht nur das ärgerte Schmitt: „Man kann auch mal schießen.“ Das tat er danach, am Tor vorbei. Der Kapitän Alexander Rosen monierte nach dem Schlusspfiff: „Vielleicht hätten wir in Überzahl noch mehr Druck entwickeln müssen.“ Und vor allem früher.

Denn zwei Dinge müssen sich die Kickers bei allem Eifer schon vorwerfen lassen. Zunächst einmal versäumten sie es, von Beginn an zu zeigen, wer Herr im Hause ist, so dass die Erfurter ihr gefälliges Spiel aufziehen konnten und vor der Pause dominant waren. Zum Zweiten, dass nach der Führung der Gäste fast eine halbe Stunde lang nicht allzu viel passierte, jedenfalls nichts Zwingendes, nichts Durchdachtes. „Das Powerplay war manchmal etwas ungeordnet“, sagte Schmitt dazu, „und dann vergibt man Chancen.“

Marco Tucci zuletzt, davor auch Landeka – und natürlich Smeekes. Wobei sich speziell am Holländer (Motto: „Warum einfach, wenn“s auch kompliziert geht“) die Geister schieden. Was schon mit seiner taktischen Rolle begann. Als Sturmspitze scheint er irgendwie fehl am Platze, weil er dort seine Schnelligkeit nicht so ausspielen kann, beziehungsweise permanent ins Verderben, sprich Abseits rennt. Andererseits ist es sicher kein Zufall, das der „Paradiesvogel“ (Cast) an den drei Treffern in dieser Woche beteiligt war, wobei er die allesamt über die Flügel eingeleitet hat, das ist sein Terrain, wo er sich am wohlsten fühlt, nachdem ihm der Trainer in puncto Einstellung in der Winterpause schon die Leviten gelesen hat.

Bleibt abzuwarten, was in den nächsten Spielen – schon morgen in Sandhausen – überwiegt: Genie oder Wahnsinn. Denn in den kann Smeekes jeden Trainer treiben.

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Traub, Mann, Gentner (62. Köpf) – Deigendesch (57. Tucci), Rosen – Traut, Parmak (65. Gambo), Landeka – Smeekes.

Erfurt: Orlishausen – Stenzel, Pohl, Loose, Schnetzler – Hauswald (73. Wolf), Peßolat, Rockenbach, Semmer (86. Carolus) – Pagenburg (46. Pinske), Cannizzaro.

Schiedsrichter: Christian Leicher (Weihmichl).

Tore: 1:0 Deigendesch (34.), 1:1 Pagenburg (43.), 1:2 Semmer (51.).

Rote Karte: Peßolat wegen groben Foulspiels (45.).

Stuttgarter Zeitung

Kickers fehlt ein Knipser
Gegen Erfurt werden viele Torchancen vergeben – Bundesligisten an Salz dran

Stuttgart – Sie spielten mit heißem Herzen. Doch am Ende fehlte der kühle Kopf. Trotz vieler Torchancen und einem Mann mehr auf dem Platz verloren die Stuttgarter Kickers gegen RW Erfurt mit 1:2. Ein Rückschlag, aber noch lange nicht der Untergang im Kampf gegen den Abstieg.

VON JÜRGEN FREY

Joachim Cast gilt nicht gerade als Hitzkopf. Der Kickers-Manager wird in der Branche als ruhiger und sachlicher Vertreter geschätzt. In der Schlussphase des Drittligaspiels gegen Erfurt aber platzten die Emotionen aus ihm heraus. Er unterzog das Dach über der Trainerbank einem intensiven Materialtest. Nach jeder vergebenen Möglichkeit donnerte der 41-Jährige dagegen. „Es ist doch zum Verrücktwerden, wir haben nach dem 1:2-Rückstand 1000 Chancen und machen keine rein“, ärgerte sich Cast.

1000 waren es nicht, aber zumindest fünf glasklare Möglichkeiten versiebten Josip Landeka, Simon Köpf, Marco Tucci und zweimal Orlando Smeekes, der zudem noch elfmeterreif von den Beinen geholt wurde. Vor dem Tor versagten den leidenschaftlich kämpfenden Blauen die Nerven. Was zu der nüchternen Erkenntnis führt: Dem Team fehlt ein Torjäger, ein Knipser, der auch mal aus keiner Chance einen Treffer macht.

Smeekes ist pfeilschnell, ein guter Vorbereiter, doch ein Gerd Müller wird aus ihm garantiert nicht mehr. Große Alternativen nach dem Abgang von Angelo Vaccaro haben sich bisher nicht aufgedrängt. Marco Tucci und Danny Galm müssen stärker die Ellbogen ausfahren – ihnen fehlt die körperliche Robustheit. Die hat Sokol Kacani zwar, aber die Klasse für die dritte Liga blieb er in seinen Kurzeinsätzen bisher schuldig. Bleibt noch Michael Schürg. Er erarbeitete sich in der Hinrunde viele Chancen, zeigte vor dem Tor aber auch Nerven. Nach seinen Achillessehnenproblemen in der Vorbereitung sucht der 24-Jährige jetzt wieder den Anschluss ans Team.

Was Trainer Edgar Schmitt zu der Problematik sagt? „Natürlich müssen wir vor dem Tor cleverer werden“, beklagt er das Unvermögen im Strafraum, doch gleichzeitig nimmt er die Spieler auch in Schutz: „Wenn wir nicht so ungeordnet anrennen, tun sich die Angreifer auch leichter.“

Das soll schon morgen (19 Uhr) im Nachholspiel beim SV Sandhausen besser werden. Mustafa Parmak (verstauchter Knöchel am Sprunggelenk) wird auf der Bank sitzen, für ihn beginnt Bashiru Gambo. „Mund abputzen und weitermachen“, gibt Kapitän Alexander Rosen als Motto aus. Auch Manager Cast dürfte sich wieder abreagiert haben – und die nicht ganz leichten Planungen für die kommende Runde vorantreiben. Immer wahrscheinlicher wird der Abgang von Torwart Manuel Salz. „Er wird kaum zu halten sein“, sagt sein Berater Ronny Zeller und spricht von mehreren Anfragen, darunter auch zwei aus der Bundesliga. Es sieht so aus, als hätten die Blauen bald nicht mehr nur das Problem des fehlenden Knipsers.

Neue Spieltermine: Union Berlin – Kickers (12. April, 14 Uhr), Kickers – Jahn Regensburg (15. April, 19 Uhr/Gazistadion).

Stuttgarter Nachrichten

Ganz schnell abhaken

Die Stuttgarter Kickers verlieren durch die 1:2-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt wieder an Boden im Abstiegskampf

Stuttgart – Aufwärtstrend gestoppt: Die Stuttgarter Kickers haben die Chance verpasst, den letzten Tabellenplatz zu verlassen. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge, die im Abstiegskampf Mut machten, erlitt der Fußball-Drittligist beim 1:2 (1:1) gegen den FC Rot-Weiß Erfurt einen herben Rückschlag. Durch die Heimniederlage vergrößerte sich der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze wieder auf fünf Punkte.

Von Beate Wockenfuß

Die Tristesse unterm Fernsehturm ist schneller zurück als befürchtet. Während die Erfurter Fans ihr Team, das 45 Minuten in Unterzahl spielte und die Partie trotzdem drehte, feierten, lagen die „Blauen“ deprimiert und erschöpft auf dem Rasen. Kickers-Trainer Edgar Schmitt raste fauchend in die Kabine, Verteidiger Torsten Traub stapfte ebenso wütend hinterher – und der glücklose Stürmer Orlando Smeekes brüllte seinen Frust in den Katakomben heraus. „Wir hatten in der zweiten Hälfte Chancen für zwei Spiele“, resümierte Kapitän Alexander Rosen nach dem erfolglosen Powerplay der leidenschaftlich kämpfenden Hausherren enttäuscht. „Wenn man so aus der Unordnung spielt, dann vergibt man eben auch große Chancen“, ärgerte sich Coach Schmitt und ergänzte frustriert: „Vielleicht war auch ein bisschen Unvermögen dabei.“Benedikt Deigendesch hatte die Kickers in der 34. Minute in Führung gebracht und dabei von einem Fehler des Erfurter Torhüters Dirk Orlishausen profitiert, der den Ball fallen gelassen hatte. Chhunly Pagenburg glich vor der Pause zum 1:1 (43.) aus. Dass Matthias Peßolat kurz danach wegen eines groben Fouls an Mustafa Parmak Rot (45.+1) sah, ließ die Hoffnungen der Kickers auf den dritten Sieg in Folge wachsen. Doch daraus wurde nichts. Nach einem Fehler des ansonsten guten Rechtsverteidigers Moritz Steinle gelang Tino Semmer das 2:1 (51.). Danach zog sich Erfurt zurück – und sowohl Smeekes (54., 89.) als auch Marco Tucci (59., 81.), Josip Landeka (64.) und Simon Köpf (74.) vergaben kläglich. „Die Niederlage ist ärgerlich, aber wir müssen sie jetzt ganz schnell abhaken“, forderte Rosen. Viel Zeit zum Nachtrauern bleibt den Kickers sowieso nicht. Bereits morgen (19 Uhr) treten sie zum Nachholspiel beim SV Sandhausen an. Schmitt blickt weiter optimistisch gen Klassenverbleib. „Wir werden es schaffen. Die Jungs sind da, sie können jeden Gegner schlagen“, betont er und ist sich sicher: „Da wird noch sehr viel passieren. Wir werden Vereine einholen, die noch gar nicht damit rechnen.“

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner (62. Köpf) – Deigendesch (57. Tucci), Rosen – Traut, Parmak (65. Gambo), Landeka – Smeekes.

FC Rot-Weiß Erfurt: Orlishausen – Stenzel, Pohl, Loose, Schnetzler – Hauswald (73. Wolf), Peßolat, Rockenbach, Semmer (86. Carolus) – Pagenburg (46. Pinske), Cannizzaro.

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl).

Zuschauer: 3690.

Tore: 1:0 Deigendesch (34.), 1:1 Pagenburg (43.), 1:2 Semmer (51.).

Gelbe Karten: Gambo / Schnetzler, Semmer, Hauswald, Rockenbach.
Rote Karte: – / Peßolat (45.+1/grobes Foulspiel).
Beste Spieler: Salz, Rosen / Rockenbach, Semmer.

Eßlinger Zeitung

Peßolat sieht den Roten Karton
Engagierte Erfurter siegen in Unterzahl
Rot-Weiß Erfurt gelang es trotz der 1:0-Führung der Kickers und der Roten Karte von Peßloat, drei Punkte aus Stuttgart mit nach Hause zu nehmen. Eine gute Moral und die Treffer von Pagenburg und Semmer besorgten den Auswärtssieg.

Trotz des 2:1-Erfolges gegen Unterhaching änderte Kickers-Coach Edgar Schmitt seine Startformation auf vier Positionen: Deigendesch, Gentner, Traut und Parmak ersetzten Köpf, Ortlieb, Galm und Gambo.

Auch Rot-Weiß Erfurts Trainer Karsten Baumann sah nach dem enttäuschenden 1:4 gegen Paderborn Handlungsbedarf und ließ für Möckel und Cinaz Loose und Peßolat von Beginn an auflaufen.

Sowohl die Kickers als auch die Erfurter starteten engagiert in die erste Hälfte dieser Partie und begannen früh, Druck auf den Gegner aufzubauen. Die Spielanteile waren ausgeglichen, eine klare Dominanz einer der beiden Teams nicht abzusehen, ehe die Schmitt-Elf nach einer halben Stunde einen Gang höher schaltete. Die Bemühungen der Stuttgarter wurden prompt belohnt: Die Flanke von Smeekes konnte Orlishausen erst noch abwehren, doch Deigendesch traf im Nachschuss zum 1:0 (34.). Die Erfurter zeigten sich von diesem Gegentor jedoch unbeeindruckt und spielten munter nach vorne und erzielten noch vor dem Pausenpfiff durch den Ex-Nürnberger Pagenburg den Ausgleichstreffer (43.). Doch dann gab es noch einen Aufreger von Seiten der Rot-Weißen, als Peßolat nach grobem Foulspiel an Parmak die Rote Karte sah (45.+2). Nun musste die Baumann-Elf eine komplette Halbzeit in Unterzahl auskommen.

Die zweiten 45 Minuten begannen mit einer Überraschung: Die dezimierten Erfurter begannen trotz Unterzahl offensiv und schienen sich mit einem Punkt nicht zufrieden geben zu wollen und waren in ihrem Bemühen rasch erfolgreich. In der 52. Spielminute überwand Semmer nach einem Alleingang Kickers-Keeper Salz zum 2:1 und drehte die Partie. Die Kickers waren nicht in der Lage, Kapital aus der zahlenmäßigen Überlegenheit zu schlagen. Die verbliebenen zehn Erfurter kämpften um die drei Punkte und ließen wenige Möglichkeiten für den Stuttgarter Ausgleich zu. Somit gewannen die Gäste nach guter moralischer und spielerischer Leistung verdient mit 2:1.

Die Stuttgarter Kickers müssen am kommenden Dienstag in Sandhausen ran und Erfurt erwartet mittwochs den VfR Aalen.

Kicker

Presse zu Rot-Weiß Erfurt – Stuttgarter Kickers und zum neuen Trainer Edgar Schmitt

Minkwitz ist weg und Schmitt schon daDer Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers vollzieht den Trainerwechsel – Björn Hinck soll neuer Assistent werden

STUTTGART. Auch die beste Saisonleistung hat den Trainer Stefan Minkwitz nicht mehr im Amt gehalten. Einen Tag nach der 2:3-Niederlage in Erfurt stellten die Stuttgarter Kickers Edgar Schmitt als ihren neuen Trainer vor.

Von Joachim Klumpp

Spiel aus – Minkwitz raus. Ganz so schnell schossen die Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers zwar nicht, aber wer die Worte des Präsidenten Dirk Eichelbaum am Samstag unmittelbar nach der 2:3-Niederlage in Erfurt richtig deutete, der wusste schon, dass der Trainerwechsel nur eine Frage von Stunden ist. Auf der Rückfahrt von Thüringen hatte der Clubchef zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Lorz und dessen Stellvertreter Christian Dinkelacker denn auch genug Zeit, die letzten Details für eine Trennung durchzugehen. Die Einladung zur Pressekonferenz kam gestern also wenig überraschend, der Name des Nachfolgers ebenfalls: Edgar Schmitt soll“s richten.

Der 45-Jährige, der wegen seiner vier Treffer beim denkwürdigen 7:0-Sieg des Karlsruher SC gegen Valencia „Euro-Eddy“ genannt wird, wird morgen Vormittag erstmals das Training leiten. Mit wem an seiner Seite, das ist noch offen. „Wir haben uns aber aus gewissen Gründen für eine interne Lösung entschieden“, sagte Schmitt. Die Rochade könnte so aussehen, dass der bisherige Amateurtrainer Björn Hinck zum „Co“ aufrückt und Hincks Posten in der Oberliga vom bisherigen Minkwitz-Assistenten Alexander Malchow übernommen wird. „Das muss aber mit den betreffenden Personen noch endgültig abgeklärt werden“, sagte Eichelbaum gestern zu der angedachten Variante.

Minkwitz selbst ist offiziell beurlaubt, wie es im Juristendeutsch so schön heißt, schließlich besitzt er noch einen gültigen Kontrakt bis zum 30. Juni 2009, nachdem ursprünglich immer von einem Zweijahresvertrag gesprochen wurde. Doch der existierte nur per Option. Dennoch stehen dem 40-Jährigen bis Saisonende rund 50 000 Euro zu, die der Verein nun entweder an anderer Stelle einsparen (was schwierig werden dürfte) oder aber durch zusätzliche Einnahmen finanzieren muss. Im Zweifel dürften die Macher – zumindest vorübergehend – selbst einspringen. Wie sagte Christian Dinkelacker zuletzt: „An der finanziellen Seite darf ein Trainerwechsel nicht scheitern.“

Minkwitz hatte in Anbetracht des Schlüsselspiels in Erfurt nochmals alle Register gezogen, auf eine Dreierabwehrkette umgestellt und Gambo als zweite Sturmspitze nominiert. Das führte dazu, dass die Kickers ihr bestes Saisonspiel zeigten, durch individuelle Fehler aber letztlich – wie schon in Regensburg und gegen Aue – mit leeren Händen dastanden. Auch die Worte des Kollegen Karsten Baumann halfen da nichts mehr, der sagte: „Wir waren diesmal nicht besser, aber glücklicher.“

„Aber spätestens das Spiel in Erfurt hat gezeigt, dass ich eine intakte Mannschaft hinterlasse“, sagte Minkwitz, der nun erst einmal zwei Wochen im Urlaub abschalten möchte. Eine weiteres Engagement bei den Kickers ist zwar nicht komplett ausgeschlossen, scheint aber recht unwahrscheinlich.

Edgar Schmitt stand jedenfalls bereits in den Startlöchern, nachdem er inzwischen auch seinen Auflösungsvertrag beim Exclub VfR Aalen unterschrieben hat. „Mir war wichtig, dass diese Dinge geklärt sind“, sagte Eichelbaum. Schmitts Vertrag bei den Kickers läuft bis zum Saisonende, wobei er sich im Fall des Nichtabstiegs automatisch um ein Jahr verlängert. „Es wird zwar schwer, aber ich bin überzeugt, dass wir den Klassenverbleib schaffen werden“, sagte Schmitt, der die Mannschaft zuletzt beim 1:2 gegen Aue beobachtet hatte. „Eine unglückliche Niederlage“, meinte der frühere Topstürmer, der als seine Philosophie ausgibt: „Ich orientiere mich am englischen Fußball.“ Soll heißen: die Spieler müssen ständig in Bewegung sein und auch über die Flügel kommen.

Beim VfR Aalen ist dieses Konzept phasenweise voll aufgegangen, vergangene Saison belegte die Mannschaft zeitweise einen Aufstiegsplatz. Im Endeffekt wurde das Ziel zweite Liga aber verpasst, nicht zuletzt weil es intern Dissonanzen mit dem Sportlichen Leiter Helmut Dietterle gegeben hatte. Die drohen bei den Kickers nicht. Der Manager Cast sagt: „Ich bin immer loyal zum Trainer.“

RW Erfurt: Orlishausen – Schnetzler, Pohl (32. Möckel), Loose, Pinske – Wolf (72. Semmer), Cinaz, Rockenbach da Silva (84. Peßolat), Judt – Cannizzaro, Bunjaku.

Stuttgarter Kickers: Salz – Mann, Härter, Rapp – Traut, Rosen, Kettemann (83. Tucci), Prediger (83. Reiß), Landeka – Gambo (72. Smeekes), Schürg.

Stuttgarter Zeitung

„Frischer Wind“
Nachgefragt bei Dirk Eichelbaum

Der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat gestern – nach der 2:3-Niederlage bei Rot-Weiß Erfurt – erwartungsgemäß seinen Trainer Stefan Minkwitz beurlaubt. „Das ist mir nicht leichtgefallen, aber wir konnten die sportliche Lage nicht ignorieren“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, wie schwer ist es Ihnen gefallen, ein blaues Urgestein wie Stefan Minkwitz zu beurlauben?

Das war natürlich keine angenehme Aufgabe. In meinem Büro habe ich ein Bild vom 31. Mai hängen, das Stefan Minkwitz zusammen mit mir nach der erfolgreichen Drittligaqualifikation in Elversberg zeigt. Aber die hat letztendlich ebenso wenig gereicht wie seine lange Verbundenheit mit den Kickers, um die sportliche Lage mit sieben Spielen ohne Sieg zu ignorieren.

Hand aufs Herz: was wäre denn passiert, wenn Erfurt am Samstag in letzter Sekunde nicht noch ein Tor erzielt und das Spiel 2:2 ausgegangen wäre?

Sicher hätten wir in den Gremien dann noch einmal darüber sprechen müssen, aber die Tendenz wäre trotzdem zur Trennung gegangen. Wir haben schon so lange herumgemacht, irgendwann musste auch mal eine Entscheidung her.

Die die Kickers aber auch finanziell belastet. Wie werden Sie die zusätzlichen Ausgaben stemmen?

Zunächst einmal, indem uns Edgar Schmitt entgegengekommen ist. Und natürlich erhoffen wir durch seine Verpflichtung auch nochmals frischen Wind. Nicht nur sportlich, sondern so, dass sich das in zusätzlichen Marketingeinnahmen niederschlägt.

Was sprach gerade für Edgar Schmitt? Es waren ja auch noch andere Kandidaten auf dem Markt, beispielsweise der frühere Augsburger Rainer Hörgl.

Aber Herr Hörgl hat in seiner Augsburger Zeit zum Beispiel Angelo Vaccaro aussortiert gehabt, so dass wir dieses Thema erst gar nicht vertieft haben. Als Edgar Schmitt auf dem Markt war, wussten wir: er ist die richtige Adresse für uns – und wir auch für ihn. Seine offensive Spielweise beim VfR Aalen, der vergangene Saison zeitweise den attraktivsten Fußball der Regionalliga gezeigt hat, ist uns nicht entgangen und hat uns imponiert. Er war unsere absolute Wunschlösung.

Stuttgarter Zeitung

Trainerwechsel bei den Kickers

Reiz und Risiko
Von Joachim Klumpp

Die Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers haben gestern das getan, was die Mannschaft in der dritten Liga viel zu selten gemacht hat: reagiert. Die Entlassung des Trainers Stefan Minkwitz ist letztendlich nur die logische Konsequenz aus dem schlechtesten Saisonstart seit Kickers-Gedenken, ohne Sieg in sieben Spielen. Irgendwann war eben selbst der Bonus der Qualifikation für die dritte Liga aufgebraucht, auch wenn der Auftritt in Erfurt durchaus Anlass zur Hoffnung gab.

Ob jetzt alles gut wird? Sicher bringt der Trainerwechsel zunächst einen Schub für die Mannschaft, vielleicht erzeugt er sogar eine Aufbruchstimmung im Umfeld. Eine Garantie auf Erfolg ist er natürlich nicht. Einmal ganz abgesehen von der Frage, inwieweit der Kader überhaupt die Qualität für die dritte Liga besitzt. Weil die Personalplanung auch in den Bereich des Managers fällt, hätten nicht wenige Fans Joachim Cast am liebsten gleich mit in die Wüste geschickt. Bei aller Kritik sollte dabei aber nicht vergessen werden, dass so ein Rundumschlag mitten in der Saison den Verein mit seinen ehrenamtlichen Funktionären an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht – und am Ende niemandem geholfen hätte.

Dass in Edgar Schmitt bereits der dritte Trainer innerhalb von elf Monaten in Degerloch das Zepter schwingt, muss indes zu denken geben – auch den Verantwortlichen. Denn jeder Wechsel erzeugt Unruhe, ganz abgesehen von den finanziellen Belastungen, die bei den Kickers den Etat regelmäßig über Gebühr strapazieren. Dabei war es Schmitt zuletzt in Aalen gewohnt, personell und finanziell für Drittligaverhältnisse aus dem Vollen schöpfen zu können. In dieser Hinsicht wird er sich umstellen müssen. Das ist Reiz und Risiko der neuen Aufgabe zugleich.

Stuttgarter Zeitung

Kommen und Gehen
Kickers-Trainer seit dem Zweitligaabstieg:

Rainer Zobel bis 26. August 2001
Marcus Sorg 26.08.01 – 09.03.03
Rainer Adrion 10.03.03 – 27.10.03
Robin Dutt 28.10.03 – 30.06.07
Peter Zeidler 01.07.07 – 04.11.07
Stefan Minkwitz 04.11.07 – 21.09.08
Edgar Schmitt seit 21. September 2008

Stuttgarter Zeitung

Edgar Schmitt ergreift die Flucht nach vorne
Planspiele mit Björn Hinck als Kickers-Co-Trainer

Stuttgart – Dieser Trainerwechsel überraschte keinen mehr: Am Tag nach dem 2:3 bei Rot-Weiß Erfurt stellte Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers Edgar Schmitt als Nachfolger von Stefan Minkwitz vor. Assistent soll Oberligacoach Björn Hinck werden, dessen Amt Alexander Malchow übernehmen könnte.

VON JÜRGEN FREY

Rückendeckung kann bei dieser schweren Aufgabe nicht schaden: Edgar Schmitt erschien am gestrigen Sonntag bei seiner Vorstellung in einem Hotel in Bonlanden nicht nur mit seinem Berater, sondern auch mit seiner Lebensgefährtin samt Hund. Schmitt versprühte Optimismus: „Das Team ist jung und dynamisch, ich bin überzeugt, dass wir das primäre Ziel Nichtabstieg schaffen werden.“ In diesem Fall würde sich sein bis zum Saisonende laufender Vertrag automatisch um ein Jahr verlängern. Zunächst aber leitet der 45-Jährige am Dienstag um 10 Uhr erstmals das Training, am Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Kickers Emden feiert er sein Debüt auf der Kickers-Bank. Wie er die Blauen vor dem Absturz bewahren will? Der ehemalige Stürmer setzt auf Offensive: „Ich bin ein Verfechter der englischen Fußball-Philosophie“, erklärt der Ex-Profi, „ich will Leben auf dem Platz sehen und mit dem Team schnell und mutig nach vorne spielen.“ Von der Devise, erst einmal die wacklige Hintermannschaft zu stabilisieren, hält er wenig: „Wenn man zu sehr auf Sicherheit setzt, besteht die Gefahr, dass man nur darauf wartet, dass etwas passiert.“

Schmitt machte bei den Kickers das Rennen vor den derzeit vereinslosen Marc Fascher (zuletzt SF Siegen) und Rainer Hörgl (früher FC Augsburg). „Schmitt war unser Wunschkandidat“, stellte Präsident Dirk Eichelbaum klar, „er ist ein kommunikativer Typ, der für attraktiven Fußball steht. Beim VfR Aalen war seine Handschrift deutlich zu erkennen.“ Mit dem Drittligarivalen, bei dem er Ende August beurlaubt wurde, einigte sich Schmitt in der vergangenen Woche über die Auflösung des Vertrags. Die Abfindung soll bei rund 175 000 Euro liegen. Deshalb konnte Schmitt den Blauen auch finanziell entgegenkommen. Er nimmt Abstriche im Grundgehalt in Kauf – sein Vertrag ist stark erfolgsabhängig. „Die neue Konstellation ist eine Chance für mich – und die Kickers.“ Allerdings birgt sie auch Risiken. Die finanzielle Lage für die Blauen spitzt sich durch die zusätzliche Belastung weiter zu. Dennoch trug der Aufsichtsrat die Entscheidung mit: „Die Chancen, durch Erfolge neue Einnahmen zu bekommen, sehen wir als größer an als das Risiko, weiter im Tabellenkeller herumzudümpeln“, sagte Rainer Lorz, der Chef des Kontrollgremiums. Und sein Stellvertreter Christian Dinkelacker ergänzte: „Die Patrone Trainer ist nun weg, jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht.“

Minkwitz wusste trotz der besten Saisonleistung in Erfurt bereits auf der Rückfahrt, was die Stunde geschlagen hatte. Entgegen sonstigen Gepflogenheiten durften sich die Spieler an einer Raststätte sogar ein Bierchen genehmigen. Auch nach der offiziellen Bekanntgabe der Trennung am Sonntag gab sich der 40-Jährige entspannt – und selbstkritisch: „Irgendwann musste der Verein handeln, ein Trainer wird an Punkten gemessen, und da hatte ich nichts vorzuweisen“, zeigte er Verständnis für die Beurlaubung, stellte aber auch klar: „Ich hinterlasse hier keinen Scherbenhaufen.“ Zunächst fliegt er erst einmal in den Urlaub. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass er bei den Blauen in anderer Funktion weitermacht. Ob sein bisheriger Assistent und Freund Alexander Malchow den Kickers erhalten bleibt, ist dagegen noch offen. Dem Verein schwebt vor, den 39-Jährigen als Trainer der Oberligaelf zu behalten. Er würde dort Björn Hinck ablösen, der als Co-Trainer von Schmitt ins Drittligateam aufrücken soll, aber noch Details mit seinem Arbeitgeber klären muss. Die interne Rochade hätte einen entscheidenden Vorteil: Die Kickers geben nicht noch mehr Geld aus, das sie nicht haben.

Stuttgarter Nachrichten

Der Strohhalm
VON JÜRGEN FREY

Es sind die Gesetzmäßigkeiten in diesem gnadenlosen, aber gut dotierten Geschäft: Im freien Fall sollte der Sportsfreund die Reißleine ziehen. Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat sich nach nur einem Zähler aus sieben Punktspielen und dem peinlichen Aus im WFV-Pokal daran gehalten. Die beste Saisonleistung beim 2:3 in Erfurt ändert nichts daran: Stefan Minkwitz ist beurlaubt. Das klingt, als hätten sie ihm 14 Tage auf den Kanaren spendiert, doch die Wirklichkeit ist rauer. Die Blauen sind in Gefahr.

Aus diesem Grund kam die Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen, nicht überraschend. Der glücklose Minkwitz hat seit Saisonbeginn alle Möglichkeiten ausgereizt, zweimal stellte er das System um, unterm Strich ohne zählbaren Erfolg. Der Glaube, in der bisherigen Konstellation Trainer/Mannschaft etwas zu bewegen, sank mit jedem verlorenen Spiel. Schon allein deshalb ist es richtig, auf einen neuen Mann zu setzen, der mit einer anderen Ansprache versucht, frische Kräfte zu mobilisieren.

Ob die Qualität der Mannschaft reicht, ist eine andere Frage. Daher wäre es fahrlässig, die Schuld an der Misere ausschließlich auf den Trainer abzuwälzen. Die Probleme liegen tiefer. Die Spiele verlor eine Mannschaft, die von allen Beteiligten zusammengestellt wurde. Minkwitz hat Wünsche geäußert; erfüllt – oder im Fall von Mirnes Mesic eben auch nicht – wurden sie von Manager Joachim Cast und vom Präsidium. In der Vereins- und Personalpolitik der Blauen reiht sich seit Jahren ein Fehlgriff an den anderen. Außerdem fehlen schlüssige Konzepte und Ideen – auch um die finanzielle Schieflage in den Griff zu bekommen. Der Trainerwechsel ist deshalb nicht mehr als das Klammern an einen Strohhalm.

Stuttgarter Nachrichten

Der „Wunschkandidat“ übernimmt

Die Kickers trennen sich nach dem 2:3 gegen Erfurt von Trainer Stefan Minkwitz und holen Edgar Schmitt

Stuttgart – Nach dem wochenlangen Hin und Her ging es nun doch recht schnell: Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat gestern Vormittag Trainer Stefan Minkwitz beurlaubt und am Nachmittag bereits Edgar Schmitt als Nachfolger präsentiert. Damit reagierte die Vereinsführung auf die sportliche Talfahrt, die sich auch am Samstag mit der 2:3 (1:1)-Auswärtsniederlage gegen den FC Rot-Weiß Erfurt fortsetzte.

Von Beate Wockenfuß

Gestern um 14.36 Uhr erschien Präsident Dirk Eichelbaum mit gelöstem Lächeln auf der eilig einberufenen Pressekonferenz. Ihm folgte – und das war zu diesem Zeitpunkt schon lange keine Überraschung mehr – Schmitt. Dass der frühere Profi des Karlsruher SC das Amt des Chef-Trainers bei den „Blauen“ übernehmen würde, war bereits am Samstagabend direkt nach der sechsten Niederlage der Kickers im siebten Saisonspiel zu erwarten. Vor Fernsehkameras wurde Eichelbaum noch in Erfurt mit dem Namen Schmitt konfrontiert und vermochte nicht wirklich, die Spekulationen um einen sofortigen Trainerwechsel auszuräumen. Man könne als Tabellenletzter mit nur einem Punkt auf dem Konto nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen, erklärte er da noch und fügte leicht irritiert hinzu: „Edgar Schmitt ist sicherlich ein geeigneter Kandidat, ääh wäre.“Noch am selben Abend wurde die seit einer Woche vorbereitete Wachablösung per Telefon perfekt gemacht. Der 45-Jährige unterschrieb gestern einen Einjahresvertrag, der sich um ein Jahr verlängert, wenn die Kickers den Klassenverbleib schaffen. Und genau das ist das primäre Ziel des neuen Trainers, der erst am 27. August beim Liga-Konkurrenten VfR Aalen wegen der „negativen sportlichen Entwicklung“ ausrangiert worden war. „Wir müssen sehen, dass wir da unten rauskommen. Das wird schwer genug“, betonte Schmitt, fügte aber betont zuversichtlich lächelnd hinzu: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das schaffen.“Dass dies mit Minkwitz gelingen würde, den Glauben daran hatte die Vereinsführung nun endgültig verloren. Eichelbaum hatte den Coach, der im November vergangenen Jahres die Nachfolge von Peter Zeidler angetreten hatte, gestern Morgen telefonisch von der Beurlaubung in Kenntnis gesetzt.

Hinck als Co-Trainer?
Co-Trainer Alexander Malchow muss seinen Posten ebenfalls räumen, wird aber im Gegensatz zu Minkwitz beim Verein bleiben. Geplant ist, dass der bisherige Coach der zweiten Mannschaft, Björn Hinck, an Schmitts Seite wechselt und Malchow dafür auf seine Stelle rückt. Eine Entscheidung darüber soll möglichst schnell fallen. Morgen wird der Neue das erste Training leiten und das Team offensiv für das Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen Kickers Emden ausrichten. „Edgar Schmitt ist unser Wunschkandidat“, betonte Eichelbaum immer wieder. Er wies aber auch darauf hin, dass die Verhandlungen mit Schmitt bei einem Sieg in Erfurt abgebrochen worden wären.

Immer wieder hatte der Präsident zuletzt das Festhalten an Minkwitz damit begründet, dass nicht das Ergebnis, sondern die Leistung zähle. Doch letztlich war es nun doch das ernüchternde 2:3 in Erfurt – bei dem Dirk Prediger und Josip Landeka für die Kickers-Tore sorgten -, das die Entlassung besiegelte. „Es gab zwar eine tendenzielle Aufwärtsbewegung, aber die hat sich wieder nicht in Punkten niedergeschlagen“, erklärte Eichelbaum. Er sagte aber auch, dass ihm dieser Schritt mit Blick auf Minkwitz‘ Verdienste sowohl als langjähriger Spieler als auch als Trainer nicht leicht gefallen sei: „Die Qualifikation für die dritte Liga hat uns verbunden, aber das hat nicht mehr gereicht, um die sportliche Lage zu ignorieren.“

Stuttgarter Kickers: Salz – Mann, Härter, Rapp – Traut, Rosen, Kettemann (83. Tucci), Prediger (83. Reiß), Landeka – Gambo (72. Smeekes), Schürg.

Eßlinger Zeitung

Stuttgart: Trennung von Minkwitz
Schmitt coacht die Kickers

Die Stuttgarter Kickers haben sich aufgrund der nicht zufrieden stellenden sportlichen Entwicklung von Trainer Stefan Minkwitz getrennt. Die Kickers stehen nach sieben Spieltagen mit nur einem Zähler auf dem letzten Tabellenplatz der dritten Liga. Nur wenige Stunden nach der Beurlaubung von Minkwitz stellte der Verein bei einer Pressekonferenz Edgar Schmitt als Nachfolger vor.

Der frühere DDR-Nationalspieler und spätere Bundesligaprofi Minkwitz war seit dem 4. November 2007 bei den Schwaben für die sportlichen Geschicke verantwortlich. In der vergangenen Saison führte er die Blauen dank eines 2:0-Erfolges in Elversberg am letzten Regionalliga-Spieltag noch in die 3. Liga, in der dann aber der sportliche Erfolg ausblieb.

Schmitt soll es richten

Bereits wenige Stunden nach der Beurlaubung von Minkwitz stellten die Stuttgarter Kickers bei einer Pressekonferenz Edgar Schmitt als Nachfolger vor.

In der neuformierten 3. Liga war der ehemalige Bundesliga-Profi Schmitt seinerseits erst Ende August beim Liga-Konkurrenten VfR Aalen aufgrund der negativen sportlichen Entwicklung entlassen und durch Weltmeister Jürgen Kohler ersetzt worden.

Kicker

RWE Sieg erst in der Nachspielzeit – Kickers gleichwertig

Bunjaku sorgt für Last-Minute-Sieg
In einem Spiel, bei dem Schlusslicht Stuttgarter Kickers über weite Strecken auf Augenhöhe agierte, sorgte Bunjaku erst in der Nachspielzeit für die Erfurter Erlösung. Karsten Baumann musste in der zweiten Hälfte auf die Tribüne, weil er zu heftig reklamierte.

Karsten Baumann, Coach der Erfurter, änderte seine Formation nach der 0:2-Niederlage gegen den SC Paderborn auf einer Position: Für Hauswald lief Wolf von Beginn an auf. Kickers-Trainer Stefan Minkwitz nahm nach der 1:2-Schlappe gegen Aue zwei Veränderungen vor und ließ Härter und Prediger für Deigendesch und Smeekes spielen.

Die Partie begann sehr schwungvoll. Zunächst brachte Judt seine Farben in Front, als er eine Flanke von Wolf zur 1:0-Führung verwertete (7.). Doch die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten: Prediger köpfte nur vier Minuten später zum Ausgleich ein. Nach diesen turbulenten Anfangsminuten verflachte die Begegnung etwas, die Kickers agierten in den ersten 45 Minuten auf Augenhöhe – man merkte den Unterschied in der Tabelle nicht.

Nach der Pause erarbeitete sich die Heimelf mehr Spielanteile, allerdings hielten die Stuttgarter Kickers weiterhin gut mit. Den ersten Aufreger lieferte aber RWE-Trainer Karsten Baumann, der so heftig reklamierte, dass er vom Schiedsrichter auf die Tribüne verwiesen wurde. Zehn Minuten später die erneute Erfurter Führung durch Rockenbach da Silva, der von Bunjaku in Szene gesetzt (68.) wurde. Danach entwickelte sich erst zum Ende hin eine turbulente Schlussphase. Zunächst schaffte das Schlusslicht durch einen Handelfmeter, Loose sprang der Ball an die Hand, den Ausgleich (88.) und als es nach einem Unentschieden aussah, schlug Bunjaku in der Nachspielzeit zu (90.+2) und sorgte doch noch für den späten Heimdreier für Erfurt.

Die Erfurter müssen am 8. Spieltag in die Fremde: Sie gastieren in einer Woche bei Fortuna Düsseldorf. Auf die Kickers wartet im Parallelspiel die schwierige Aufagabe gegen Emden. Stuttgart kann dabei aber auf seinen Heimvorteil bauen.

Kicker

Vorberichte Rot-Weiß Erfurt – Stuttgarter Kickers und dem Ausfall vom Smeekes

Hiobsbotschaft für Minkwitz
Der Kickers-Spieler Orlando Smeekes fällt in Erfurt vermutlich wegen eines Muskelfaserrisses aus

STUTTGART. Stefan Minkwitz, der Trainer der Stuttgarter Kickers, ist um seine Aufgabe morgen in Erfurt nicht zu beneiden. Neben dem gesperrten Angelo Vaccaro fehlt in dem Schlüsselspiel der dritten Fußballliga wohl auch der Neuzugang Orlando Smeekes.

Von Joachim Klumpp

Siegen oder fliegen – selten einmal ist dieses Motto bei den Stuttgarter Kickers treffender gewesen, als vor dem Auswärtsspiel der dritten Liga morgen (14 Uhr) bei Rot-Weiß Erfurt. Wobei allenfalls noch die Frage im Raume steht, was bei einem Unentschieden passieren würde. Unabhängig von den Spekulationen um einen Trainerwechsel gibt sich der Coach Stefan Minkwitz nach wie vor kämpferisch: „Ich gehe in jedes Spiel, um zu gewinnen.“ Weil das in dieser Saison bei sechs Versuchen bisher aber noch nicht gelungen ist, braucht der Trainer (samt seinem Assistenten Alexander Malchow) jetzt zwingend ein Erfolgserlebnis, um die Arbeit über dieses Wochenende hinaus fortzusetzen.

Die Aufgabe wird nicht leichter, nachdem sich ausgerechnet der Neuzugang und Hoffnungsträger Orlando Smeekes am Dienstag im Testspiel auf Kunstrasen beim FC Welzheim (9:0) einen Muskelfaserriss zugezogen hat und damit höchstwahrscheinlich ausfallen wird. Der Niederländer soll aber heute um 14 Uhr mit der Mannschaft zunächst nach Thüringen reisen. „Vielleicht schafft die medizinische Abteilung ja doch noch eine Wunderheilung“, sagt Minkwitz.

Ein kleines Wunder benötigt wohl auch der Trainer selbst, zumal der vermeintliche Torjäger Angelo Vaccaro für das Spiel am Wochenende noch gesperrt ist. Dabei würden die Kickers gerade eine starke Offensive brauchen, um mögliche Schwächen der Erfurter Abwehr ausnützen zu können. „Ich hoffe, dass die Mannschaft sagt: jetzt erst recht“, sagt Minkwitz zur sportlichen Situation.

Am Mittwochabend tagten turnusgemäß Präsidium und Aufsichtsrat der Kickers, und natürlich kamen die Gremien auch am Thema Minkwitz nicht ganz vorbei, zumal sich der Verein einen Trainerwechsel im Grunde nicht leisten kann. „Wir haben aber keine Liquiditätsprobleme“, betont der Schatzmeister Friedrich Kummer, der mit der Wirtschaftssituation des Vereins nicht unzufrieden ist. „Die Marketingabteilung hat die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um rund 150 000 Euro gesteigert“, sagt Kummer – auch wenn damit noch ein kleiner Ansatz im Etat fehlt. „Aber das ist in dieser frühen Phase der Saison ja normal.“

Die genauen Zahlen werden den Mitgliedern auf der Hauptversammlung präsentiert, die ursprünglich bereits für die jetzige Phase unmittelbar nach den Sommerferien geplant war – inzwischen aber auf den traditionellen Termin Ende November verschoben wurde. Durch die sportliche Talfahrt haben die Verantwortlichen momentan andere Sorgen, die zum Saisonbeginn so nicht abzusehen waren. Und die könnten sich am Sonntag weiter zuspitzen, auch wenn die meisten Präsidiumsmitglieder geschäftliche und private Termine im Kalender stehen haben. „Wir gehen einmal davon aus, dass wir uns am Wochenende nicht zusammentelefonieren müssen“, sagen der Präsident und der Schatzmeister einstimmig. Ihr Mobiltelefon werden sie dennoch auf Empfang haben: für gute oder für schlechte Nachrichten.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Smeekes fällt in Erfurt ausStürmer mit Muskelfaserriss

Stuttgart (jük) – Hiobsbotschaft für Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers: Neuzugang Orlando Smeekes hat sich im Freundschaftsspiel gegen Kreisligist FC Welzheim einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen – sein Einsatz im Spiel bei Rot-Weiß Erfurt am morgigen Samstag (14 Uhr) ist äußerst unwahrscheinlich. „Wir werden alles versuchen“, sagt Trainer Stefan Minkwitz, „aber es sieht schlecht aus. Orlando wird aber in jedem Fall mit nach Erfurt fahren.“ Als Ursache sieht der Coach die Tatsache, dass der Niederländer, der zuletzt ohne Vertrag war, noch nicht zu 100 Prozent fit war.

Der Ausfall des 26-Jährigen ist ein harter Schlag für die Kickers und für Minkwitz. Im Angriff hat der Coach nun nur noch wenige Alternativen, da Angelo Vaccaro noch gesperrt ist. „Ich kann noch nicht sagen, ob wir mit einem oder zwei Stürmern beginnen“, sagt Minkwitz, „ich hoffe auf einen Jetzt-erst-recht-Effekt in meiner Mannschaft.“ In Erfurt geht es für den Club nicht nur darum, den ersten Saisonsieg einzufahren – es geht auch um die Zukunft des Trainers. Nach nur einem Punkt und zwei Treffern in sechs Spielen dürfte nur ein Sieg die vorzeitige Beurlaubung des 40-Jährigen verhindern. „Wir wollen immer gewinnen – ganz unabhängig von der aktuellen Situation“, sagt Minkwitz.

Stuttgarter Nachrichten

Vorschau

Spielinfos:

Anstoß: 20.09.2008 14:00
Stadion: Steigerwaldstadion

Schiedsrichter:

Rot-Weiß Erfurt: Wolf rückt für den gesperrten Hauswald in die Startelf. Weitere Änderungen sind trotz des 0:2 in Paderborn nicht wahrscheinlich.

Stuttgarter Kickers: Schmiedel, Russo und der gesperrte Vaccaro fehlen weiter. Rosen und Smeekes haben Adduktorenprobleme, können aber wohl spielen.

Aufstellung

Rot-Weiß Erfurt
Orlishausen – Schnetzler, M. Pohl, Loose, Pinske – D. Wolf, Cinaz, Rockenbach da Silva, T. Judt – Cannizzaro, Bunjaku; Trainer: Baumann

Stuttgarter Kickers
Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Rosen, Gambo – Smeekes, Kettemann, Traut – Tucci; Trainer: Minkwitz

Kicker

StN: Kickers-Trainer unter Dauerstress

Über Minkwitz‘ Kopf kreisen schon die Geier

Stuttgart – Ein klarer 9:0-Sieg für die Stuttgarter Kickers zur Kunstraseneinweihung in Welzheim – gegen den örtlichen Kreisligisten klappt’s noch beim derzeit arg gebeutelten Drittliga-Schlusslicht. „Die Jungs sollten Selbstvertrauen tanken, sie sollten endlich wieder mal in die Kiste treffen“, sagt Trainer Stefan Minkwitz.

Plan aufgegangen. Ob’s geholfen hat mit der mentalen Einstimmung aufs Spiel bei Rot-Weiß Erfurt wird sich am Samstag nach dem Abpfiff gegen 15.45 Uhr zeigen. Die Spieler haben ihre Portion Psycho-Aufputschmittel erhalten. Und der Trainer?

Minkwitz muss selbst sehen, dass er nicht zum Fall für den Seelendoktor wird. Wenn die Blauen in Erfurt nicht gewinnen, ist der 40-Jährige ein Klient der Agentur für Arbeit. Es gibt Angenehmeres. Minkwitz fühlt sich derzeit wie einer, der einem Zahnarzttermin entgegenfiebert, an dem alle Weisheitszähne gezogen werden. Stets in Sorge, was kommen wird, stets beunruhigt, wie alles ausgeht. Eines hat der Trainer aber in seinen Profijahren gelernt: Jammern hilft nicht. „Ich weiß, dass ich auf einem Schleudersitz hocke. Ich weiß, dass in diesem Job die Arbeit nach Punkten bewertet wird – wer nicht genug gesammelt hat, muss gehen“, sagt er. Warum drum herumreden? Minkwitz bleibt sich auch in der Extremsituation treu: stets gerade heraus.

Er steht unter Dauerstress. Bloß abschalten wie einen beängstigenden Horrorfilm per Fernbedienung, das wäre schön. Funktioniert aber nicht. Die Kickers sind omnipräsent, selbst wenn der ADM-Sportpark kilometerweit entfernt ist, geistern die Gedanken durch das Gelände. „Das verfolgt mich auch ins Privatleben“, gesteht Minkwitz. Der Alltag gewährt ihm nur ganz kurze Auszeiten. Wenn der Gesprächspartner nicht weiß, dass ihm der Kickers-Coach gegenübersteht, kann Minkwitz auch über etwas anderes als Fußball plaudern. Ein angenehmer Smalltalk bedeutet eine kurze Flucht. „Wenigstens kann ich noch ruhig schlafen“, sagt er – sein trockener Humor ist noch nicht auf der Strecke geblieben.

Dabei hätte er allen Grund dazu. Über seinem Kopf kreisen schon die Geier – bildlich gesprochen. Beim Spiel gegen Aue (1:2) saß nicht nur ein arbeitssuchender Trainer im Gazistadion auf der Tribüne und sondierte das Terrain. Für Minkwitz gehört das zum Geschäft im Profi-Fußball. „So bringen sich manche eben ins Gespräch“, sagt er, „ob ich das ebenfalls machen würde, kann ich wirklich nicht sagen.“

Noch ist es nicht so weit, dass sich der gebürtige Magdeburger umschauen müsste. Seit dem 4. November 2007 ist Minkwitz Cheftrainer der Blauen – noch mindestens zwei Tage wird er es bleiben. „Ich nehme weder eine Pistole noch einen Strick mit nach Erfurt“, sagt er, „ich werde mich bei einer Niederlage nicht erschießen und nicht erhängen.“ Sollten die Kickers gewinnen, wird Minkwitz eine erneute Schonfrist gewährt. Der mentale Druck wäre damit aber noch längst nicht überstanden.

Jürgen Kemmner

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – Erzgebirge Aue und dem erneuten Vertrauensbeweis für Stefan Minkwitz

Noch eine Chance für Minkwitz

Das Präsidium der Stuttgarter Kickers hält am Trainer fest – zumindest bis zum nächsten Spiel

STUTTGART. Trotz der 1:2-Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue sitzt der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz auch am Samstag in Erfurt auf der Trainerbank. „Aber irgendwann müssen wir anfangen zu punkten“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum.

Von Joachim Klumpp

Der kleine Presseraum im Gazi-Stadion platzte am Samstag nach der 1:2-Heimniederlage im Kellerduell gegen Erzgebirge Aue fast aus allen Nähten – doch die Bombe platzte nicht. Weder unmittelbar nach Spielende noch gestern nach einer Sondersitzung des Kickers-Präsidiums, in der beschlossen wurde: Stefan Minkwitz sitzt auch am nächsten Samstag in Erfurt auf der Bank. Ein Vertrauensbeweis der besonderen Art – nach sechs Spielen ohne Sieg. „Wir wollten einfach nicht alles an einem unglücklichen Kopfballtreffer in der letzten Minute festmachen“, sagt der Präsident Dirk Eichelbuam zu der – überraschenden – Entscheidung. „Natürlich haben wir auch kontrovers diskutiert, aber es ist ja nicht so, dass alles im Argen liegt.“

Gut, die Mannschaft hat gekämpft, aber spielerisch doch über weite Strecken enttäuscht. Vielleicht auch, weil ein starker Bashiru Gambo in der Defensive verschenkt scheint. Zumindest hat der Neuzugang Orlando Smeekes bei seinem Debüt (nicht nur wegen des Tores) angedeutet, dass er die erhoffte Verstärkung für die Kickers ist, was durchaus zeigt, dass im Kader noch Optimierungspotenzial herrscht. Eichelbaum: „Wir wollen dem Trainer die Chance geben, dass er diesen Spieler auch richtig einbaut.“

Dass sich der Verein dazu durchringt, weitere Verstärkungen zu verpflichten, schließt der Präsident allerdings aus. Zumal allein schon der Nachschlag mit dem Niederländer im Etat nicht vorgesehen war, so dass auch hier derzeit eine Lücke klafft. Die bei der Trainerfrage durchaus berücksichtigt werden muss. „Sicher spielen finanzielle Gründe eine Rolle“, gibt Eichelbaum zu, „aber auch menschliche. Wir wollen schon dahin kommen, ein seriös geführter Verein zu sein.“

Soll heißen, der Trainer wird nicht automatisch geopfert. Zumal die Verantwortlichen auch den Kontakt zur Mannschaft gesucht haben. „Und da gab es keine negativen Rückmeldungen“, sagt der Schatzmeister Friedrich Kummer. Selbst der zuletzt etwas in Ungnade gefallene Angelo Vaccaro gibt sich kämpferisch. „Wir stehen alle hinter dem Trainer. Und ich hoffe, dass in Erfurt der Knoten platzt“, sagt der Stürmer, der trotz seiner noch laufenden Sperre auf ein Gnadengesuch beim DFB hofft. „Ich hatte zuvor ja noch nie eine Rote Karte bekommen.“

An der ist auch der Trainer nochmals vorbeigegangen. Wie lange noch? „Zunächst einmal gilt die Entscheidung für eine Woche“, sagt Eichelbaum. Die letzte Chance also. Und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Christian Dinkelacker betont: „Wir können nicht jede Woche eine neue Diskussion anzetteln.“ Natürlich kennt auch Eichelbaum die Gesetze des Marktes: „Wenn die Erfolge ausbleiben, werden wir um einen Trainerwechsel nicht herumkommen.“ Die Kandidaten jedenfalls stehen schon in den Startlöchern. Und sei es nur inkognito wie der Ex-Aalener Edgar Schmitt, der im Stehplatzbereich gesichtet wurde und angeblich im engeren Kandidatenkreis sein soll. Ob er von der Leistung angetan war? Wohl kaum.

Klar ist inzwischen, dass der Wechsel von Mustafa Parmak unterschätzt worden ist, nachdem der Spieler bei der sportlichen Leitung unten durch war. Dass es mit dem Charakter des Vielgescholtenen nicht so schlecht bestellt sein kann, zeigt indes die Tatsache, dass er jeden freien Tag nutzt, um die Kickers-Spiele zu verfolgen. Unverständlich bleibt auch, warum der Pfullendorfer Marco Calamita nicht verpflichtet worden ist – und nun für Wacker Burghausen mehr als doppelt so viele Treffer (fünf) erzielt hat wie die Kickers-Mannschaft zusammen: angeblich wegen der Ablösesumme; doch die wäre billiger gewesen als jeder Trainerwechsel.

Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendech, Mann, Rapp, Landeka – Rosen, Gambo (79. Gümüssu) – Smeekes, Kettemann, Traut (45. Janic) – Schürg (72. Tucci).

Erzgebirge Aue: Flauder – Klingbeil, Kos, Paulus, Fabian Müller – Cimen, Steve Müller (88. Hochscheidt) – Hensel, Curri (63. El Berkani), Feick – Lukunku (83. Schmidt).

Stuttgarter Zeitung

Die Trainerfrage bei den Kickers

Gratwanderung
Von Joachim Klumpp

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Nach der erneuten Heimpleite der Stuttgarter Kickers am Samstag gegen Erzgebirge Aue hat wohl kaum mehr ein Fan einen Pfifferling auf den Trainer Stefan Minkwitz gegeben. Doch der bleibt, allen Unkenrufen zum Trotz, im Amt. Dabei wären sechs Spiele ohne Sieg allemal Grund genug für eine Trennung gewesen.

Es ist ein schmaler Grat auf dem sich die Kickers bewegen. Auf der einen Seite fordert die Entscheidung Respekt, weil die Verantwortlichen in dieser Frage Rückgrat beweisen und nicht automatisch auf die üblichen Fußballmechanismen zurückgreifen, die zunächst einmal nur Geld kosten, das gerade die Kickers nicht besitzen. Dass ein Trainerwechsel außerdem noch längst keine Erfolgsgarantie bringt, zeigt das Beispiel des Nachbarn VfR Aalen. Andererseits gehen die Kickers mit dem Treuebekenntnis ein hohes Risiko ein, sportlich frühzeitig den Anschluss zu verlieren und vielleicht zum Punktelieferanten der Liga zu werden. So oder so muss der Verein aufpassen, dass er nicht Woche für Woche aufs Neue in eine unsägliche Trainerdiskussion verfällt wie im vergangen Jahr, als Peter Zeidler zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gehen musste: nach einem sehr respektablen 1:1 gegen den späteren Aufsteiger FSV Frankfurt.

Das Spiel in Erfurt dürfte deshalb Minkwitz“ letzte Chance ein. Sollte auch im siebten Anlauf kein Erfolgserlebnis rausspringen, muss er wohl seine sieben Sachen packen.

Stuttgarter Zeitung

Minkwitz wackelt, fällt aber nicht
Kickers-Präsidium verlängert Schonfrist – Hörgl und Fascher im Gespräch

Stuttgart – Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hält trotz des 1:2 gegen Erzgebirge Aue an Trainer Stefan Minkwitz fest. Unterdessen werden bereits Rainer Hörgl und Marc Fascher als mögliche Nachfolger gehandelt.

VON JÜRGEN FREY

Um 13.20 Uhr am Sonntag kam die offizielle Mitteilung mit der Überschrift: „Trainer Stefan Minkwitz sitzt auch in Erfurt auf der Bank“. Erfurt – dorthin führt die Blauen die Reise zum nächsten Auswärtsspiel am kommenden Samstag (14 Uhr). Es wird die allerletzte Chance für den Coach. „Wenn es dort eine desolate Leistung gibt, ist eine andere Entscheidung wie diesmal unausweichlich“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Diesmal zog Minkwitz den Kopf noch aus der Schlinge. Den Grund teilte die Chefetage nach einer zweistündigen Sondersitzung am Sonntag folgendermaßen mit:

„Nach dem Punktgewinn in Regensburg wurde im Heimspiel gegen Aue ein weiterer positiver Trend insbesondere in der kämpferischen Leistung der Mannschaft wahrgenommen. Das spielentscheidende Gegentor in der letzten Minute, eine unglückliche Bogenlampe, kann und darf nicht dazu führen, dass kurzfristige Entscheidungen in Hinblick auf Trainergespann und Mannschaft getroffen werden.“

Am Samstagabend hatte noch alles auf einen Trainerwechsel hingedeutet. Minkwitz verkroch sich nach dem Abpfiff sofort in der Kabine und war partout zu keinem Fernsehinterview mit dem SWR zu bewegen. Auch Präsident Eichelbaum und Manager Joachim Cast gaben sich im Hinblick auf die Zukunft des Trainers äußerst wortkarg. „Kein Kommentar“ und „wir teilen die Entscheidungen am Sonntag mit“, hieß es.

Nach Informationen unserer Zeitung hat es bereits Gespräche mit möglichen Nachfolgern gegeben. Heißeste Kandidaten sind Marc Fascher und Rainer Hörgl. Fascher war im Mai 2008 bei den SF Siegen entlassen worden, bis 2007 hatte der 40-Jährige allerdings mit Kickers Emden beachtliche Erfolge vorzuweisen. Hörgl, zurzeit ebenfalls ohne Verein, führte den FC Augsburg 2006 in die zweite Liga. Der 51-Jährige war am Samstag genauso im Gazistadion wie der Ex-Aalener Coach Edgar Schmitt. Konkrete Verhandlungen mit Trainern dementierte Eichelbaum, der Kickers-Chef räumte jedoch ein: „Wir wären blauäugig, wenn wir uns in dieser Situation nicht auch Gedanken über Alternativen machen würden.“

Es drängt sich der Verdacht auf: Die Führungsetage der Blauen wird diese Woche nutzen, um für einen möglichen Trainerwechsel alles gezielt vorzubereiten und für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. „Wir können nicht ewig auf ein Erfolgserlebnis warten. Die Mannschaft muss in Erfurt eine Schippe drauflegen“, fordert Eichelbaum.

Minkwitz gibt die Hoffnung nicht auf. „Die Moral der Truppe ist intakt“, betont der glücklose Coach. Was ihn sonst noch optimistisch stimmt? Die Rückkehr von Rotsünder Angelo Vaccaro nach dem Spiel in Erfurt und der frische Wind, den Orlando Smeekes bringe, sagt er. In der Tat spielte sich der Neue aus Holland auf Anhieb in die Herzen der Fans. Die Krönung: sein „Tor des Monats“ zum 1:1. Das Bedenkliche allerdings: Die Blauen erspielten sich ansonsten noch maximal eine Torchance. Zu wenig, um im Kampf gegen den Abstieg zu bestehen. Zumal sich die Mannschaft eben auch nicht immer auf die Qualitäten ihres Torwarts verlassen kann: Den Siegtreffer des Zweitliga-Absteigers durch einen Kopfball von Kenny Schmidt aus 16 Metern hätte Manuel Salz durchaus halten können. Der 23-jährige Keeper vergrub sein Gesicht beim Gang in die Kabine unter einem Handtuch. Ob Minkwitz die Köpfe seiner Spieler noch einmal freibekommt? Die nächste Gelegenheit bietet sich heute um 14.30 Uhr im Training, am Dienstag (18.30 Uhr) steht das Testspiel beim FC Welzheim auf dem Programm, doch was wirklich zählt, ist die Partie in Erfurt: Dort geht es für Minkwitz um alles.

Stuttgarter Nachrichten

Blau und lau
VON JÜRGEN FREY

Stefan Minkwitz ist ein netter Kerl, ein Kämpfer, und die Kickers haben ihm einiges zu verdanken. Doch das ändert nichts an der Tatsache: Die Erfolgsbilanz seiner Arbeit seit dem Saisonstart am 26. Juli ist verheerend. Dennoch hat sich das Präsidium am Sonntag nach zähem Ringen dazu entschlossen, die Schonfrist zu verlängern. Bis zum nächsten Spiel – wieder einmal.

Blau und lau. Einen Gefallen tut die Führungsetage mit diesem Kurs keinem. Vor allem nicht der verunsicherten Mannschaft, die den Glauben verloren hat, in der aktuellen Konstellation aus dem Keller zu kommen. Nicht ohne Grund: Minkwitz hat in dieser Saison schon so gut wie alle Maßnahmen ausgereizt, um den Weg aus der Krise zu finden – vom Trainingslager bis hin zur Systemumstellung. Es half alles nichts. Wer die Kickers in dieser Saison spielen sah, dem drängt sich der Eindruck auf: Wenn den freien Fall der Blauen überhaupt noch jemand stoppen kann, dann ein neuer Mann auf der Bank, der frische Kräfte mobilisiert. Entweder macht das Präsidium – nicht immer nur bis zum nächsten Spiel – klar Schiff, oder es findet sich ab mit dem Untergang.

Stuttgarter Nachrichten

Der dritte Vertrauensbeweis

Das Präsidium der Stuttgarter Kickers hält nach dem 1:2 gegen Erzgebirge Aue weiter zu Trainer Stefan Minkwitz

Stuttgart – Sechstes Spiel, fünfte Niederlage, dritte Sondersitzung des Präsidiums, zum dritten Mal mit demselben Ergebnis: Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers versucht auch nach der 1:2 (1:1)-Heimniederlage gegen den Vorletzten FC Erzgebirge Aue weiter gemeinsam mit seinem Trainer Stefan Minkwitz aus der Krise zu kommen.

Von Beate Wockenfuß

Die Stimmung im Gazi-Stadion war gespenstisch. Im windigen Nieselregen schlichen die Kickers-Spieler geschlossen durch die Nebelschwaden zu ihren Fans – und holten sich trotz der erneuten Niederlage zu Hause für ihren kämpferischen Einsatz einen warmen Applaus ab. Der Zuspruch tat ihnen sichtlich gut, konnte sie allerdings nicht wirklich aufmuntern. Kurz vor Schluss (88. Minute) hatte Aues Joker Kenny Schmidt den Stuttgartern mit seinem Siegtor den Nackenschlag versetzt, der beinahe zum K.o.-Schlag für Minkwitz geworden wäre. Zumindest am Samstagabend standen die Zeichen auf Trennung. Manager Joachim Cast trat an Stelle von Minkwitz vor die Fernsehkameras – allerdings nur um mitzuteilen, dass es in der momentanen Situation nichts mitzuteilen gebe. Der Trainer selbst beschränkte sich in der Pressekonferenz auf das Nötigste und verschwand sogleich wieder in den Katakomben. Und Präsident Dirk Eichelbaum hüllte sich in verdächtiges Schweigen. „Lassen Sie mich eine Nacht darüber schlafen“, wehrte er die erneut aufkeimende Trainerdiskussion ab und verwies auf eine Sondersitzung des Präsidiums am Sonntagmorgen: „Da werden wir beraten, wie wir weitermachen.“ Erst vor einer Woche gab es solch eine Sitzung, damals mit dem Ergebnis, an Minkwitz festzuhalten. Das war auch das Resultat des gestrigen Treffens zwischen den vier Präsidiumsmitgliedern und Manager Cast. „Trainer Stefan Minkwitz sitzt auch in Erfurt auf der Kickers-Bank“, verkündete eine Pressemitteilung am Mittag. Also der nächste Vertrauensbeweis für nur eine Woche? „Wir wollen eine weitere Steigerung sehen“, forderte der Präsident erneut. Nach der „Aufwärtsbewegung“ beim 1:1 in Regensburg sei die Leistung gegen Aue nun eine „Seitwärtsbewegung“ gewesen. Das Auer Siegtor bezeichnete Eichelbaum als „Glückstreffer“. „Daraus können wir dem Trainer jetzt kein Fallbeil machen.“ Auch für die Partie am Samstag in Erfurt gilt nun wieder: Leistung geht vor Ergebnis. „Natürlich wollen wir auch endlich Punkte sehen“, sagte Eichelbaum aber. Und: „Einen Persilschein bis Weihnachten wird es nicht geben.“Zuversicht gibt dem Präsidenten neben dem kämpferischen Einsatz die Leistung von Neuzugang Orlando Smeekes. Der Niederländer glich nicht nur die frühe Führung von Marc Hensel aus (5./27.), sondern brachte deutlich Schwung in die Offensive. „Er ist eine echte Bereicherung und hat noch Steigerungspotenzial“, sagte Eichelbaum.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Rosen, Gambo (79. Gümüssu) – Smeekes, Kettemann, Traut (46. Janic) – Schürg (72. Tucci).

FC Erzgebirge Aue: Flauder – Klingbeil, Kos, Paulus, Fabian Müller – Cimen, Steve Müller (89. Hochscheidt) – Hensel, Curri (63. El Berkani), Feick – Lukunku (83. Schmidt).

Schiedsrichter: Achmüller (Freyung).

Zuschauer: 3280.

Tore: 0:1 Hensel (5.), 1:1 Smeekes (27.), 1:2 Schmidt (88.).

Gelbe Karten: Mann / Steve Müller.

Beste Spieler: Smeekes, Gambo / Curri, Kos.

Eßlinger Zeitung

Schmidt entscheidet Kellerderby

Last-Minute Treffer von Schmidt
Es dürfte eng werden für den Kickers-Trainer Stefan Minkwitz. Trotz eines überzeugenden Spiels, das seine Elf ab Mitte der ersten Hälfte gar dominiert hatte, musste er eine weitere Niederlage gegen den Tabellenkeller-Nachbarn aus Aue hinnehmen. Der kurz zuvor eingewechselte Kenny Schmidt brachte den Ostdeutschen in der 90. Minute den Siegtreffer.

Kickers-Trainer Stefan Minkwitz änderte seine Startformation gegenüber dem 1:1 in Regensburg auf vier Positionen, und brachte Deigendesch, Landeka, Schürg und Neuzugang Smeekes für Reiß, Janic, Landeka und Prediger. Auch Aues Coach Heiko Weber stellte seine Mannschaft nach der 0:2-Heimniederlage gegen Paderborn um, und ließ Flauder, Curri und den kongolesischen Neuzugang Lunkunku für Männel, Baltes und Glasner von Beginn an auflaufen.

Die erste Hälfte begann direkt schwungvoll. Mit dem ersten Angriff konnten die Gäste in der 5. Minute in Führung gehen. Marc Hensel brachte den Ball beim zweiten Versuch über die Linie, nachdem er zunächst per Kopfball am seit Wochen starken Kickers-Keeper Manuel Salz gescheitert war. Die Freude währte bis zur 27. Minute, als Neuzugang Orlando Smeekes den Ball aus 18 Metern in den Winkel hämmerte. Von nun an fuhr Stuttgart einen Angriff nach dem anderen auf das Tor von Aues Flauder – jedoch ohne vor der Pause ein weiteres Tor zu erzielen.

Die zweite Hälfte begann ähnlich, jedoch war Stuttgart nicht mehr ganz so druckvoll. So entwickelte sich eine ausgeglichene Partie der beiden Vereine, die mit nur einem Punkt aus fünf Spielen bereits mit dem Rücken zur Wand stehen. Beide Trainer wechselten aus, Kickers-Coach Minkwitz brachte Janic, Tucci und Amateur Gümüssu und Heiko Weber schickte El Berkani (64.) und Kenny Schmidt (83.) ins Spiel. Eben dieser Schmidt war in der 90. Minute zur Stelle, und markierte den Siegtreffer für die Ostdeutschen.

Für die Stuttgarter geht es nun mit einem Auswärtsmatch weiter: Am Samstag treffen die Kickers auf Erfurt. Aue muss währenddessen zu Hause gegen Düsseldorf bestehen.

Kicker